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?Feuer frei!? mit Blei

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Nach tragischen Unfällen wird der Brandenburger Versuch mit bleifreier Munition abgebrochen

POTSDAM - Die Jagd im Fränkischen endete tragisch. Das Geschoss eines Jägers verfehlte sein Ziel, prallte von mehreren Baumstämmen ab und traf einem Jagdteilnehmer tödlich in die Brust. Der Jäger hatte bleifreie Munition verwendet. Nach Auffassung eines Sachverständigen der Polizei wäre der Unfall mit Bleigeschossen nicht denkbar gewesen. In der Oberförsterei Potsdam wurde bereits vor drei Jahren bei einem ähnlichen Unfall ein Forstmitarbeiter von einer bleifreien Patronenkugel in die Wade getroffen. Märkische Forstleute berichten von weiteren Abprallern, einmal soll eine Kugel nur knapp den Kopf eines Försters verfehlt haben.

Aus arbeitsrechtlichen Gründen wurde die Verwendung bleifreier Munition in den Landesforstgebieten nun untersagt. Der seit 2005 ausschließlich in Brandenburg laufende Großversuch wurde ausgesetzt. Es müsse zunächst Klarheit über das Rück- und Aufprallverhalten bleifreier Munition bestehen, so der Sprecher des Umweltministeriums, Jens-Uwe Schade. Ein generelles Verbot bleihaltiger Munition ist damit ebenfalls fürs Erste vom Tisch. Per Erlass vom 31. Januar 2005 waren Brandenburgs Forstbedienstete angehalten, auf Bleimunition zu verzichten. Betroffen waren rund 400 Förster mit Jagdschein. Der Verzicht auf Blei diente dem Schutz von Greifvögeln, insbesondere des Seeadlers. Denn bei verendeten Vögeln waren vielfach Reste bleihaltiger Munition im Magen gefunden worden. Um solche Bleivergiftungen zu verhindern, müssen alle Jäger Jagdreste, den so genannten Aufbruch, zum Schutz der Greifvögel vergraben oder beseitigen. Für den Seeadler sei das als Schutz ausreichend, sagt Wolfgang Bethe, Präsident des Landesjagdverbandes. Er räumt aber auch ein, dass manche Jäger offenbar nach alter Gewohnheit handeln: In der DDR sollte der Aufbruch als Nahrung für Greifvögel liegen bleiben.

Der Naturschutzbund (Nabu) macht die Bleimunition für den Tod von 15 Seeadlern seit 2005 verantwortlich. Von den seit 1990 tot aufgefundenen Seeadlern starben nach Nabu-Angaben 38 Prozent an einer Bleivergiftung. Das Ende des bleifreien Feldversuchs wird vom Nabu daher kritisiert. ?Für ein vorschnelles Verbot gibt es keinen Anlass?, sagt der Nabu-Landesvorsitzende Tom Kirschey. Das Abprallverhalten der Munition solle schnell untersucht werden. Eine mögliche Unfallgefahr hänge nicht vom Material, sondern von der Konstruktion der Munition ab, sagte Kirschey.

In der Landesforstanstalt läuft seit 2006 ein ?Bleifreimonitoring?, bei der herkömmliche Munition mit alternativer verglichen wird. Dabei geht es um die Ballistik, die Relevanz für den Tierschutz und Jagdbetrieb, um Wirtschaftlichkeit und Technik. Zum Abprallverhalten ist eine Promotion an der Landesforstanstalt in Arbeit. Jagdverbands-chef Bethe räumt ein, dass die Verwendung von Bleimunition nicht unproblematisch ist. Die Sicherheit gehe aber vor. ?Ich bin als Jäger nicht mit Blei verheiratet. Aber ich brauche eine Munition, auf die ich mich verlassen kann.? (Von Klaus D. Grote)

Sechs Tonnen Blei werden verschossen

Seit 2005 war die Verwendung bleihaltiger Munition im Landeswald untersagt. Normale Büchsengeschosse bestehen aus einem Bleikern, der von Stahl, Kupfer oder Nickel ummantelt ist. Beim Aufprall tritt der schwerere Bleikern aus der Hülse aus, die dabei ?aufpilzt" - der aufgerissene Mantel tritt mit größerer Fläche ein, getroffenes Wild verendet schneller.

Der bleifreie Ersatz besteht aus Kupfer- oder Messinglegierungen. Nach Angaben des Landesjagdverbandes bleibt das Aufpilzen aus. Die nicht verformten Geschosse prallen zum Beispiel an Baumstämmen ab und fliegen weiter.

In Berichten der deutschen Versuchs- und Prüfanstalt für Jagd- und Sportwaffen ist von sogenannten Solid-Geschossen die Rede, die in einem Schützenstand zurückprallten und knapp am Schützen vorbei eine Tür durchschlugen. Ein Ballistikexperte der Universität Bern vergleicht das Abprallverhalten der ?Solids" mit dem von Vollmantelgeschossen. Sie seien wegen des fehlenden Masse- und Geschwindigkeitsverlustes beim Aufprall ?bedenklich".

Bei der Jagd auf Wasservögel ist Bleimunition in Brandenburg untersagt. Bleischrot wird durch Weicheisen ersetzt. Blei kann von gründelnden Wasservögeln aufgenommen werden, verendete Tiere sind wiederum eine Gefahr für Greifvögel.

Der Landesjagdverband Brandenburg zählt knapp 10 000 Mitglieder. Mehr als 12 000 Märker besitzen einen Jagdschein. Insgesamt werden in Deutschland beim Jagd- und Übungsschießen jährlich sechs Tonnen Blei verschossen

http://www.maerkischeallgemeine.de

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