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Katja Triebel

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About Katja Triebel

  • Rank
    Bannerkunde
  • Birthday 10/11/1964

Website

  • Website URL
    http://www.triebel.de

Persönliche Angaben

  • Geschlecht
    Frau
  • Biografie
    Kann man in meinem Blog lesen: https://katjatriebel.com/about/
  • Wohnort
    D-13585 Berlin
  • Beruf
    Waffenhändlerin
  • Interessen
    Waffenlobby
  • Favorite gun
    PC-Tastatur
  • WSK-Inhaber
    Nein
  • WBK- Inhaber
    Nein
  • Jägerprüfung
    Ja
  • Erlaubnis nach § 7 oder 27 SprengG?
    Nein

Verbandsmitgliedschaften

  • Meine Verbandsmitgliedschaften
    GRA

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  1. Katja Triebel

    Remember the Hero, not the Zero

    Seit Winnenden lese ich alle möglichen Studien, Zeitungsberichte und Meinungen bzgl. Amokläufe/Massenmorde. Dabei bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es sich dabei oft um einen „erweiterter Selbstmord“ in Verbindung mit der „Suche nach Ruhm“ handelt, sofern der Attentäter ein jüngerer Mensch ist. Bei älteren Attentätern, die ihre Familie oder Arbeitskollegen töten, ist die Ohnmacht und die Wut über diese Ohnmacht vorherrschend. Wenn jüngere Attentäter sich intensiv mit Amokläufen beschäftigen, Manifeste schreiben und sich zum Ziel setzen, ihren Abgang mit noch mehr Opfern zu „begleiten“ als bisher, dann wollen sie in die Zeitung. Sie wollen ein öffentliches Bekenntnis abgeben und berühmt werden, eventuell auch Nachahmer finden. Dies ist auch – neben dem ausgelösten Terror – das Motiv der meisten Islamisten. Diese werden in den islamistischen Online-Magazinen und Videos gehypt und es wird dort zur Nachahmung aufgefordert. Ältere Attentäter hingegen fühlen sich oft von der Familie, Partner, Arbeitskollegen oder Chef im Stich gelassen, oder vom Staat gebeutelt, wenn der Gerichtsvollzieher kommt. Sie haben mit dem Leben abgeschlossen und wollen die Schuldigen bestrafen oder die Unschuldigen (Kinder) vor der Zukunft bewahren. Manchmal bleibt es beim „Suicide by cop“ (Selbstmord durch provozierte Polizeigewalt), öfters „nehmen sie alle Schuldigen“ in ihrem erweiterten Selbstmord mit. Hier würden Präventionsprogramme und eine andere gesellschaftliche Sichtweise in Bezug auf „Scheitern“ helfen. Seit 2001 gibt es den Verein „Freunde fürs Leben„, der Aufklärung und Kampagnen betreibt, um Selbstmorde zu verhindern. Die Zeitungen haben es sich angewöhnt, nicht mehr über Selbstmorde zu berichten, um den „Werther Effekt“ zu verhindern, der Nachahmungstäter hervorbringt. Ähnliche Beschränkungen sollten wir uns bei Massenmördern auferlegen. Ich halte mich daran. Man wird in meinem Blog keinen Namen der Attentäter finden, auch keine Bilder oder Zitate aus Manifesten. Ab und an schreibe ich über die möglichen Motive (Frauenhaß), versuche aber immer, den Attentäter als Verlierer darzustellen. Dissecting every detail of a mass shooter’s clothing or music choices, and giving so much airtime and print space to their YouTube posts or manifestoes, is exactly what many of these young, mentally ill men were looking for when they decided to go out in such a perverse blaze of glory, according to Zeynep Tufekci, a fellow at Princeton University’s Center for Information Technology Policy and professor at the University of North Carolina at Chapel Hill’s School of Information and Library Science and Sociology Department. Tufekci emphasized that she was not saying such incidents should be ignored altogether. „It’s clearly of news value,“ she said. „I can’t expect a journalist not to cover this. I’m saying we can change the way we cover it and not highlight the manifestoes, the type of gun, the method.“ „Don’t plaster his face all over the place; plaster the victims‘ names all over the place.“ Chicago Tribune: Can the media reduce massacres? vom 23.07.2014 Genau das sagt auch Mr. Colion Noir: Statt dem Attentäter so viel Raum in den Zeitungen zu geben, sollten wir den Opfern Raum geben. Dann verschiebt sich der Ruhm vom Täter auf die Opfer – das Gegenteil von dem, was diese Täter wünschen. Das ist ein Auszug meines Artikels vom Oktober 2015 Gesamten Artikel anzeigen
  2. Deutschlandfunk Moderator Philipp May interviewte Katja Triebel zum Amoklauf in Florida und zum Waffenrecht: Kann man die amerikanische Waffenlobby verteidigen? Man kann! Donald Trump will Lehrer bewaffnen, um Amokläufern an Schulen den Kampf anzusagen. Damit liegt er voll auf Linie der US-Waffenlobby, der National Rifle Association. Wie sehen das die deutschen Waffenfreunde von der German Rifle Association? Ein Anruf bei Katja Triebel. Podcast zum Nachhören ab Minute 11:30 http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2018/02/23/2322018_tafeln_nur_fuer_deutsche_dlf_20180223_1700_89553a13.mp3 Philipp May (PM): „Wir müssen unsere Schulen härter, nicht weicher machen. Eine waffenfreie Zone in Schulen ist für einen Killer wie eine Eisdiele.“ Das ist die Antwort von Trump auf den jüngsten Amoklauf an einer amerikanischen High Shool in Parkland, Florida. Mal wieder Fassungslosigkeit bei den meisten Beobachtern, besonders in Europa, wo man die laschen Waffengesetze und den Einfluss der mächtigen Waffenlobby National Rifle Association nicht nachvollziehen kann. Gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der das zu verteidigen mag. Doch es gibt sie natürlich auch hier, die Waffenfreunde. Angelehnt an die NRA gibt es auch die German Rifle Association. Im Gegensatz zum amerikanischen Vorbild ein kleiner Verein und engagiertes Mitglied ist Katja Triebel, die ich gerade angerufen habe. Einer der Slogans der NRA ist „Ein böser Mann mit einer Schusswaffe wird am besten gestoppt durch einen guten Mann mit einer Schusswaffe.“ Ich nehme an, dass teilen Sie? Katja Triebel (KT): Ja, das teile ich mit der Einschränkung: nicht jeder mit einer Schusswaffe ist ein guter und nicht jeder fühlt sich mit einer Waffe sicherer. PM: Noch besser wäre es doch, keiner von beiden hätte eine Schusswaffe, weder der gute, noch der böse. KT: Ja, aber das versuchen Sie mal, dass die Bösen keine haben. Das klappt irgendwie nicht. PM: In Deutschland haben wir wesentlich restriktivere Gesetze und es ist ja offensichtlich, dass wir deutlich weniger Schusswaffen und Schusswaffentote haben als in den USA. Ist das, weil wir so scharfe Gesetze haben? KT: Nicht unbedingt. Wenn man sich Amerika mal anschaut, wo die meisten Morde stattfinden, dann sind das alles Großstädte. Die weltweite Forschung sagt, dass Schusswaffenmissbrauch ist eine Problem von jungen Männern in Großstädten. Es gibt in Amerika Landstriche, wo überhaupt keine Morde stattfinden. 54% der Counties in Amerika hatte Null Morde im Jahr 2014 zu verzeichnen. Und dann gibt es andere, wo ganz viel passiert. Und dann dort auch nicht in der ganzen Stadt verteilt, sondern an bestimmten Orten geballt und anderen wieder nicht. PM: Wenn man sich aber die Schießereien und Amokläufe in den USA anschaut – 2017 waren es allein 411, zu welchem anderen Schluss kann man kommen als dass es in den USA ein massives Problem mit Schusswaffen gibt. KT: Generell hat die USA das Problem, dass man zu schnell an eine Schusswaffe herankommt. Insbesondere die Kriminellen kommen zu einfach heran. Die NRA hat selber gesagt, dass der Background-Check verbesserungswürdig ist. Der Ex-Schüler in Florida hatte den Background-Check bestanden, obwohl seit 2010 die Polizei jedes Jahr mehrfach zu ihm nach Hause gerufen wurde und obwohl im Januar und Februar Leute ihn beim FBI angezeigt hatten, dass der was plant. PM: Da sind sich ja wohl alle einig. Die NRA und Trump möchten das ja auch. Ein anderes Problem ist, dass man in den USA schon im jüngsten Alter Schusswaffen kaufen kann – bevor man Alkohol kaufen darf. Sind Sie auch dafür, dass man die Altersgrenze hochsetzt? KT: Das ist ein richtiger Ansatz aus zwei Gründen. Es gibt bei jungen Menschen zwei unterschiedliche Gruppen. Die eine Gruppe schießt, seitdem sie acht, zehn oder zwölf Jahre alt ist, im Verein oder geht mit den Eltern zu Jagd. Die haben ein ganz anderes Verhältnis zu der Waffe. Wenn die jetzt 16 oder 18 werden, dann werden die nicht umgedreht. Für die ist weiterhin eine Waffe ein Werkzeug. So wie ich als Büchsenmachertochter mein ganzes Leben Waffen gesehen habe und die noch nie als Gewaltinstrument betrachtet habe. Die stehen einfach in der Werkstatt, werden zur Jagd genutzt, zum Sportschießen genutzt. Da war noch nie eine Phantasie dabei. Dann gibt es aber junge Leute, die in der Pubertät anfangen, sich dafür zu interessieren. Und wir wissen von den Amokläufern, dass das ein langwieriger Prozess ist, einer mit Narzissmus; manche werden gemobbt, manche haben selber gemobbt, wo man sich nicht wohlfühlt, man eine absolute Wut aufbaut; eventuell auch gestärkt durch Computerspiele und Gewaltfernsehen, wo Empathie abgestumpft wird. Die haben ein anderes Verhältnis zur Waffe. Die denken, dass die Waffe das Lösungsmittel ist. Und jetzt werde ich endlich 18 oder 21 oder 25, dann kann ich mich an der ganzen Welt rächen. PM: Heißt das im Umkehrschluss, man solle den Leuten lieber früher eine Waffe in die Hand geben? KT: Ja, dieser Meinung bin ich. Selbst in Großbritannien gibt es 3000 Minderjährige mit einer Waffenlizenz. Dann dürfen die unter Aufsicht von Erwachsenen trainieren. Wir hatten hier einen jungen Praktikanten, der ist 2009 16 geworden und durfte dann nicht halbautomatische Schrotlflinte besitzen, sondern musste noch zwei Jahre warten. Der schoss, seitdem er zehn Jahre war, beim DSB als Leistungsschütze. PM: Beispiel Australien. Nach dem Amoklauf 1996 hatte die Regierung restriktive Waffengesetze beschlossen und außerdem ein Rückkaufprogramm. Seitdem ist die Tötungsrate deutlich gesunken, um 79%. KT: Generell ist die Tötungsrate in allen westlichen Industrieländern deutlich gesunken seit 1990. In England ist sie bis 2002 gestiegen, in Irland auch ein bisschen, aber ansonsten stark gesunken. Australien mit Waffenverbot kann man vergleichen mit Neuseeland oder Kanada. Das hat eine Forscherin vor 10 gemacht. In Neuseeland gab es nach deren Amoklauf kein Waffenverbot. Dort sind auch nicht die Waffen registriert, sondern die Waffenbesitzer. In Neuseeland ist die Mordrate stärker gesunken als in Australien. Und wir wissen aus Australien, dass momentan genauso viele legale Waffen besessen werden wie vor dem Buyback (Rückkaufprogramm). In Australien gibt es mittlerweile viele Gangs und viele kriminelle, illegale Waffen und der Schusswaffenmissbrauch steigt dort seit ein paar Jahren. PM: Was fordern Sie in Deutschland bzw. was missfällt Ihnen an der Waffengesetzgebung in Deutschland? KT: Die Ungerechtigkeit! Ich habe mich seit 2009 intensiv mit Amokläufen beschäftigt. Ich kann nur jedem empfehlen, die Bücher von Professor Scheithauer zu lesen und seine Forschung. Hinsehen, leaken und helfen! Auch der Attentäter in Florida hatte viele Warnhinweise hinterlassen. Warnhinweise sind Sachen zum Einschreiten. Da könnte man vorher einschreiten und Hilfe anbieten. Die fallen nicht vom Himmel, die entwickeln sich langsam. PM: Und wo ist die Ungerechtigkeit? KT: In der Gesetzgebung. Staatsanwalt Hofius hat das wunderbar erklärt. Es wird von legalen Waffenbesitzern in Deutschland und Europa erwartet, Chorknaben zu sein. Wir hatten vor 2003, was völlig richtig ist, dass jemand nicht zuverlässig ist, wenn er durch Gewaltdelikte auffällt oder gegen das Waffengesetz oder Jagdgesetz verstoßen hat. Mittlerweile ist das Waffengesetz so kompliziert, dass man es kaum schafft, alle Punkte einzuhalten, weil nicht mal die Richter und Rechtsanwälte das Gesetz verstehen. Mittlerweile reicht es auch, wenn Sie zweimal über eine rote Ampel fahren, dass sie unverlässig sind; oder beim steuerlichen Vergehen oder einer Beleidigung. PM: Steuerliches Vergehen reicht, um den Waffenbesitz zu verlieren? KT: Ja, dann sind Sie nicht mehr zuverlässig. Wir sagen immer: Würden Politiker und Autofahrer so hart bestraft werden wie legalen Waffenbesitzer, wären die Straßen halb leer und die Plenarsäle auch. PM: Frau Triebel, das war hochspannend, mit Ihnen darüber zu sprechen. KT: Es ist schön, wenn man mal zu Wort kommen durfte. Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Irgendwo in der Mitte liegt das richtige Maß. PM: dertag@deutschlandfunk.de – da können Sie hinschreiben: Wir lesen alles: Kritik, Lob, Input – egal. Wer nachlesen will, wie ich zu meinen Einschätzungen komme, kann den folgenden Links folgen. Wie sich Amokläufe verhindern lassen Am besten verhindert man Amokläufe, in dem man die Spirale, die zu Amokläufen führen, unterbricht. Durch Hinsehen, Weitersagen und Helfen. Der beste deutschsprachige Artikel zu diesem Thema erschien vor fünf Jahren in der SZ. Notwendig ist eine Kultur des Respekts, der Offenheit und des Zuhörens in Schulen und Gemeinden. Das zeigen jene Fälle, in denen geplante Schulmassaker aufgedeckt und verhindert wurden. Es gibt Warnsignale. Die meisten Schüler, die zu Amokläufern wurden, haben andere absichtlich oder versehentlich von ihren Plänen informiert. In der FBI-Studie wird als eine Ursache für die Gewalttaten genannt, dass an den Schulen respektloses Verhalten und die Bedrohung anderer toleriert wurden. An Schulen, in denen ein Massaker verhindert werden konnte, fanden wir dagegen eine Atmosphäre, in der respektloses Verhalten jeder Art nicht geduldet wurde; es gab hier klare Regeln, deren Einhaltung auch durchgesetzt wurden. SZ vom 18. Januar 2013 Mir wurde berichtet, dass es in der Schule in Winnenden vor 2009 eine ungerechte Bestrafungskultur gab: beliebte Schüler konnten sich Dinge herausnehmen, für die unbeliebte Schüler bestraft wurden. Der Attentäter aus Winnenden gab Warnhinweise, weshalb er von seinen Eltern zu einer Therapie geschickt wurde. Seine Gewaltphantasien unterlagen jedoch der ärztlichen Schweigepflicht. Aus Erfurt wissen wir, dass die Eltern des Attentäters nicht wussten, dass ihr Sohn von der Schule suspendiert wurde und gar keine Chance mehr auf einen Abschluss hatte. Der Attentäter in Florida hinterließ noch viel mehr Warnsignale: Innerhalb von sieben Jahren rückte die Polizei 39 mal bei ihm zuhause an. Er postete gewalttätige Bilder auf Instagram. Das FBI wurde im Januar davon unterrichtet, dass er öffentlich einen Amoklauf ankündigte. Das System hatte hier völlig versagt. Quelle: New York Post vom 24. Februar 2018 Wie man Amokläufe beenden kann Nach Columbine bzw. in Deutschland nach Erfurt hat die Polizei ihre Reaktion auf Amokläufe geändert. Da die meisten dieser Attentate weniger als sechs Minuten andauern, sollen die Polizisten nicht mehr auf die Spezialkommandos (SEK, MEK) warten, sondern sofort ins Gebäude eindringen und den Attentäter (aus der Deckung heraus) konfrontieren. Nachdem das FBI 2013 „active shooter incidents“ ausgewertet hatte, haben sich auch die Empfehlungen für Zivilisten (Schüler, Lehrer) geändert. Aus „Run-Hide-Tell“ (flüchten-verstecken-melden) wurde „Run-Hide-Fight“ (flüchten-verstecken-kämpfen). Die FBI-Studie kommt zu dem Schluss, dass die Schnelligkeit dieser Vorfälle es bedingen, dass nicht nur Polizei, sondern auch die Bürger besser ausgebildet und trainiert werden müssen. Auch wenn die Polizei anwesend oder in der Lage war, innerhalb von Minuten zu reagieren, mussten Zivilisten in Sekunden Entscheidungen über Leben und Tod treffen. Daher ist es laut FBI wichtig, dass auch Zivilisten bereits im Vorfeld mögliche Eingriffe trainieren und diskutieren und sich der Risiken und Optionen bewusst werden. Ich berichtete 2014: FBI Statistik von den Medien falsch interpretiert Selbst in Los Angeles, das für seine negative Einstellungen zu Waffen bekannt ist, hat das dortige County Sheriff’s Department ein Video veröffentlicht, das als letzte Alternative, wenn Flucht und Verstecken nicht möglich ist, zur Gegenwehr auffordert. Wenn die NRA (und Trump) davon sprechen, dass Schulen keine waffenfreien Zonen mehr sein sollen, sondern Lehrer sich bewaffnen sollten, um ihre Schüler zu schützen, dann schütteln wir Europäer den Kopf. Die Fakten zeigen jedoch, dass diejenigen Lehrer (und Studenten), die in Schulen und Universitäten mit Erlaubnis bewaffnet sind, nicht verantwortungslos mit ihren Waffen umgehen. Weder bedrohen die Schüler ihre Lehrer für bessere Noten, noch Lehrer ihre Schüler, um ihre Anordnungen durchzusetzen. Die Schulen und Universitäten sollten daher selber entscheiden können, ob sie das möchten. Die Entfernung zum nächsten Polizeirevier ist sicherlich ein Kriterium, die Einstellung der Lehrer, Eltern und Schüler ein anderes. Eventuell reicht es ja schon, wenn statt improvisierter Waffen (Feuerlöscher wie im Video) auch neben dem Erste-Hilfe-Set ein starkes Pfefferspray zum Notfallrucksack gehört. Quelle: Washington Examiner vom 23. Februar 2018 Ist Schusswaffenbesitz die Ursache von Mord? In den USA sind Schusswaffen häufiger auf dem Land als in den Großstädten zu finden. Laut einer PEW Studie besitzen 39% der Haushalte auf dem Land eine Schusswaffen, aber nur 18% in den Städten. Bei Mord sieht es genau anders herum aus: 54% der Counties mit 11% der Bevölkerung hatten 2014 überhaupt keine Tötungsdelikte, während in 1% der Counties mit 19% der Bevölkerung 37% aller Tötungsdelikte vorkamen. Quelle: Crime Prevention Research Center vom 25. April 2017 Können Waffenverbote Gewalt verhindern? Einer der besten Artikel zu Waffenverboten und Gewalt erschien nach Las Vegas in der Washington Post – eine Zeitung, die nicht als waffenaffin, sondern als progressiv-liberal gilt. Die Autorin Leah Libresco war gegen die NRA und für „Common Sense Gun Control“ (vernünftige Waffenkontrolle), für ein Verbot von „Assault Weapons“ und Schalldämpfern, für eine Reduzierung der Magazinkapazitäten und vielen anderen gesetzlichen Auflagen – bis sie die 33.000 Schusswaffentote in den USA untersuchte und die Waffengesetzgebung in Australien und Großbritannien unter die Lupe nahm. 2/3 der Schusswaffentote sind Selbstmörder. (Anm. Die USA hat übrigens die gleiche Selbstmordrate wie Deutschland. Und obwohl mittlerweile 40% der US-Waffenbesitzer weiblich sind, bringt sich kaum eine Frau mit einer Schusswaffe um). 20% der Schusswaffentoten sind junge Männer zwischen 15 und 34 Jahren, die häufig bei Gangrivalitäten auf offener Straße erschossen werden. 5% Schusswaffentote sind Frauen, die bei „häuslicher Gewalt“ getötet werden. Während ihrer Untersuchung fand sie keine gesetzlichen Maßnahmen, die oben genannte Opfer verhindert könnten, dafür aber viele kleine Maßnahmen, die direkt auf die potientiellen Opfer und Täter abgestimmt sind. Ihrem Schlusssatz stimme ich vollständig zu: Wir retten Leben, indem wir uns auf eine Reihe von Taktiken konzentrieren, um die verschiedenen Arten von potenziellen Opfern zu schützen und potenzielle Mörder zu reformieren, aber nicht, wenn wir auf pauschale Verbote setzen, die sich auf die Waffen selbst konzentrieren. Quelle: Washington Post vom 3. Oktober 2017 Bereits 2012 hatte ich zu diesem Thema gebloggt: Können Waffenverbote und Waffenkontrollen Gewalt verhindern? Australien und England Jahrelang wurde uns England als Heilmittel gegen Schusswaffengewalt präsentiert bis sich herausstellte, dass zwar in England weniger Menschen mit Schusswaffen getötet werden (nur 4%), aber sich die Mordrate dort auf einem für die EU hohem Niveau befindet. Mittlerweile ist es sogar in Bezug auf Gewaltdelikte gefährlicher in London als in New York zu leben. Von daher konzentrieren sich seit ein paar Jahren die Waffenkontoll-Aktivisten auf Australien. Hartnäckig hält sich die Behauptung, dass wegen des Waffenverbots, die Gewalt verringert hätte. Doch dem ist nicht so, wie ich anhand von amtlichen Statistiken und Studien hier im Blog erkläre: Waffenrecht in Australien Gesamten Artikel anzeigen
  3. Katja Triebel

    Waffenrecht in Australien

    Aktuell lesen wir überall, dass die Regulierung von Halbautomaten (Verbot) und das Buyback-Programm (Rückkauf solcher Waffen) im Jahr 1997 (National Firearms Agreement) einen entscheidenden Einfluss auf den Rückgang von Mord und Selbstmord in Australien hätten. Viele Studien und Quellen haben ergeben, dass das Waffenverbot und Rückkaufprogramm keinen signifikanten Einfluss hatten. Auch wird vergessen zu erwähnen, dass seit 1992 die Tötungsraten in fast allen westlichen Industrieländern dramatisch zurückgegangen sind. Eine Studie sieht zwar einen signifikanten Rückgang bei Selbstmord mit Schusswaffen, jedoch nicht bei Selbstmord generell, sowie nur einen geringen Rückgang bei Mord. Die aktuelle Statistiken über Mord der Regierung Australiens zeigen einen stetigen Rückgang, jedoch keinen signifikanten Einfluss ab dem Jahr 1997. Mittlerweile ist die Mehrheit der Kriminologen der Auffassung, dass legaler Waffenbesitz keinen Einfluss auf die generelle Selbstmordrate und Mordrate hat, auch wenn die Medien diese Einsicht nicht verbreiten. Im Folgenden einige Graphen und Statistiken aus den Studien und von Regierungsseiten, sowie ein YT-Video, das die Statistik zu Australien erklärt. Weniger Morde mit Schusswaffen, aber nicht insgesamt Nach 1996 stieg in Australien kurzfristig die Mordrate ohne Schusswaffen (durchgezogene Linie), während Morde mit Schusswaffen (gestrichelte Linie, wie auch insgesamt (nicht dargestellt) fielen – wie auch die Jahre zuvor. Quelle: „Gun laws and sudden death: Did the Australian firearms legislation of 1996 make a difference?“ (Download vom Oxford Journal) Vergleich mit Neuseeland und Kanada Vergleicht man die Mordraten in Neuseeland, Kanada (ohne Waffenverbot) mit Australien (Halbautomatenverbot 1997), so fällt auf, dass der Rückgang in Australien moderater ausfiel als in Neuseeland. Auch in Neuseeland gab es einen Amoklauf mit Schusswaffen, jedoch weder ein Rückkaufprogramm, noch ein Waffenverbot bestimmter Waffentypen. In Neuseeland werden die Waffenbesitzer registriert, jedoch nicht die Waffen selber; so wie auch die Langwaffen in Kanada nicht registriert sind. Quelle: „Firearm Homicide in Australia, Canada, and New Zealand: What Can We Learn From LongTerm International Comparisons?“ Legal oder illegal? Beim Status von Schusswaffen, die in Australien für Morde missbraucht wurden, findet man – wie auch in Europa – einen hohen Anteil an bereits verbotenen (illegale) Waffen. Quelle: IC-Wish.org Selbstmord und Tötungsdelikte mit/ohne Schusswaffen Es gibt zwei Studien, die die Effekt des National Firearms Agreement auf Selbstmord- und Mordraten untersuchten. Die Studie der Universität Melbourne wird von den Medien ignoriert. Sie kam zu folgendem Schluss: This paper takes a closer look at the effects of the National Firearms Agreement on gun deaths. Using a battery of structural break tests, there is little evidence to suggest that it had any significant effects on firearm homicides and suicides. In addition, there also does not appear to be any substitution effects – that reduced access to firearms may have led those bent on committing homicide or suicide to use alternative methods. Dieses Papier nimmt einen genaueren Blick auf die Effekte des National Firearms Agreement auf Todesfälle mit Schusswaffen. Unter Verwendung einer Batterie von Strukturbruchtests gibt es kaum einen Beweis, der einen bedeutenden Effekt auf Morde und Selbstmorde mit Schusswaffen nachweisen konnte. Darüber hinaus scheint es auch keine Substitutionseffekte zu geben – dass ein eingeschränkter Zugang zu Schusswaffen dazu geführt haben könnte, dass diejenigen, die sich auf die Begehung von Totschlag oder Selbstmord eingelassen haben, alternative Methoden anwenden. Quelle: http://melbourneinstitute.unimelb.edu.au/downloads/working_paper_series/wp2008n17.pdf Die Studie von Andrew Leigh kam zu einem ähnlichen Schluss, betont jedoch einen Rückgang von 80% bei Schusswaffenselbstmord. Dieser Rückgang taucht in fast allen Medien auf. We find that the buyback led to a drop in the firearm suicide rates of almost 80%, with no significant effect on non-firearm death rates. The effect on firearm homicides is of similar magnitude but is less precise. Wir stellen fest, dass das Rückkaufprogramm zu einem Rückgang der Selbstmordraten mit Schusswaffen um fast 80 % geführt hat, ohne dass dies einen signifikanten Einfluss auf die Sterblichkeitsrate bei Selbstmorden ohne Schusswaffen hatte. Die Wirkung auf Tötungsdelikte mit Schusswaffen ist von ähnlicher Größenordnung, aber weniger präzise. Quelle: Do Gun Buybacks Save Lives? Evidence from Panel Data Auf den Regierungsseiten Australiens findet man diese Zahlen: Die Zahl der Mordopfer schwankte von 1993 bis 2007 leicht, während die für Totschlag relativ stabil blieb. Die Zahl der Mordopfer erreichte 1999 ihren Höhepunkt bei 344; die Zahl der Totschlagsopfer erreichte im Jahr 2002 mit 48 Opfern den Höhepunkt. Die im Jahr 2007 verzeichneten 253 Mord- und 29 Todschlagsopfer waren die niedrigste jährliche Zahl, die jemals verzeichnet wurde. Quelle: http://www.aic.gov.au/statistics/homicide.html Stetiger Rückgang bei Tötungsdelikten seit 1989 Die Zahl zeigt, dass es zwar von Jahr zu Jahr Schwankungen gibt, Mordfälle jedoch seit dem Beginn des NHMP im Jahr 1989 (Anm. acht Jahre vor dem Waffenverbot/Rückkaufprogramm) einen stetigen Rückgang verzeichnet haben. Im Jahr 2006-07 gab es die zweitniedrigste Anzahl von Mordanfällen im Sammelzeitraum. Interessant ist, dass es wie in England im Jahr 2002 einen Höchststand gab. Quelle: AIC Nationales Homicide Monitoring Programm 1989-90 bis 2006-07 Der Prozentsatz der mit einer Schusswaffe begangenen Tötungsdelikten setzte einen rückläufigen Trend fort, der 1969 begann. Im Jahr 2003 wurden weniger als 16% der Tötungsdelikte mit Schusswaffen ausgeführt. Die Zahl war in den Jahren 2002 und 2001 ähnlich, von einem Höchststand von 44% im Jahr 1968. Quelle: http://www.aic.gov.au/statistics/homicide.html Vergleich mit Europa Zum Vergleich der Rückgang von Mord und Selbstmord in Europa von 1998-2010. Während dieser Zeit gab es in der EU weder ein erneutes Waffenverbot, noch Buyback-Programme. Mord/Totschlag sank um 55%, Selbstmord ging um mehr als 40% zurück. Leider liegen für diese Jahre keine Anteile mit Schusswaffen vor. Im Durchschnitt werden ca. 17% der Tötungsdelikte mit Schusswaffen ausgeführt. Der Anteil der illegalen Schusswaffen soll zwischen 75 und 98% liegen. Quelle: https://ec.europa.eu/health//sites/health/files/data_collection/docs/idb_report_2013_en.pdf Zum Vergleich die Schusswaffenkriminalität in England&Wales. 1996 wurden Handfeuerwaffen (rot markiert) verboten und ein Gun Buyback durchgeführt. Quelle: Homicide an Suicide with Firearms in Europe Tötungsdelikte in westlichen Industriestaaten Es ist bekannt, dass in den Vereinigten Staaten das Jahr 1992 einen großen Wendepunkt in Bezug auf die Häufigkeit von Mord darstellt. Im Jahr 1992 erlebten die Vereinigten Staaten eine Höchstrate von etwa 10 Tötungsdelikten pro 100.000, darunter besonders hohe Viktimisierungsraten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Seitdem haben die Vereinigten Staaten einen viel diskutierten Rückgang der Gewaltverbrechen erlebt, einschließlich eines Rückgangs der Tötungsraten um mehr als 40 Prozent und einer aktuellen Rate von etwa 5,6 pro 100.000. Doch während der Verbrechen in den Vereinigten Staaten eine Menge öffentlicher und akademischer Aufmerksamkeit erhalten hat, haben wenige Beobachter bemerkt, dass eine sehr ähnliche Veränderung in Europa aufgetreten ist. In den späten 1980er- oder frühen 1990er-Jahren erreichten die Mordraten ebenfalls einen Höchststand, und das mittlere Jahr des oberen Wendepunktes ist genau das gleiche wie in den USA, nämlich 1992. Seit 1992 fallen die Tötungsraten in den meisten europäischen Ländern dramatisch 62% in Österreich: von 1,49 im Jahr 1992 auf 0,55 im Jahr 2003 46% in Deutschland: von 1,18 im Jahr 1992 auf 0,63 im Jahr 2003 60% in Italien: über 1.600 Todesfälle im Jahr 1991 (2,84 pro 100.000) auf nur noch 550 im Jahr 2001 In Frankreich, der Schweiz, Portugal und den skandinavischen Ländern finden sich auch rückläufige Trends Große Ausnahmen sind Großbritannien, Irland und die Britischen Inseln Quelle: A Historical Perspective on the Latest Increase in Interpersonal Violence (1960–1990) by Manuel Eisner, Institute of Criminology, University of Cambridge, UK Zitiert von mir: Homicide an Suicide with Firearms in Europe Professor Eisner erforscht seit Jahren Gewaltkriminalität, jedoch nicht mit Schwerpunkt Schusswaffen, sondern Jugendkriminalität. Er kann daher als ziemlich neutral gelten. Er hat sich bisher weder pro, noch kontra zu Waffengesetze geäußert. Sein Streben ist ein Rückgang der weltweiten Gewaltkriminalität um die Hälfte. Da Europa und die Westliche Welt (außer den USA) bereits Erfolg hatten, die Mordrate unter 2/100.000 zu drücken, liegt sein Fokus auf den Ländern, die das bisher nicht erreicht haben. Es gibt auch ein Video zu den Fakten aus Australien: Gesamten Artikel anzeigen
  4. Nur weil jemand Anzeige erstattet, bedeutet das ja nicht, dass die Staatsanwaltschaft auch ermittelt. Ich denke, das wird eingestellt werden. Sollte Caro sich dennoch verteidigen müssen, werden wir sie mit Sicherheit unterstützen.
  5. Katja Triebel

    Waffenrecht im Koalitionsvertrag 2018

    Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD kommt das Wort „Waffe“ 19 mal vor, sechs mal betrifft es zivile Kleinwaffen, 13 mal Rüstungsgüter wie ABC- und Kriegswaffen. Hier die beiden Absätze, die uns betreffen und die Interpretation dieser Sätze. Wir werden das Waffenrecht im Hinblick auf die technische Entwicklung und auf seine Praktikabilität hin anpassen. Die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger hat dabei oberste Priorität. Wir streben eine erneute befristete Amnestie an. Zur Erhöhung der öffentlichen Sicherheit werden wir darüber hinaus gemeinsam mit den Ländern schrittweise das nationale Waffenregister weiterentwickeln. Die Kriminal- und Rechtspflegestatistiken machen wir aussagekräftiger. Die Sicherheitsforschung wird besser koordiniert. – Seite 103 Wir werden uns international für die vollständige Implementierung des VN-Kleinwaffenabkommens einsetzen und die Umsetzung in adäquate nationale Kontrollmechanismen unterstützen. Alle im nichtstaatlichen Bereich in Deutschland gehandelten und geführten sowie für den Export vorgesehenen und vom VN-Kleinwaffenaktionsprogramm erfassten Klein- und Leichtwaffen sollten in Zukunft mit einer möglichst unauslöschlichen Markierung versehen werden, um deren Nachverfolgbarkeit zu ermöglichen. Auch die weltweite Umsetzung des internationalen Waffenhandelsvertrags (ATT) wollen wir energisch vorantreiben. – Seiten 118-119 Quelle: Koaltionsvertrag als PDF auf der CDU-Webseite Deutschland 2009 stand zum Waffenrecht dieser Absatz im Schwarz/Gelben Koalitionsvertrag, der auf Evaluierung setzte, bevor es zu Änderungen kommen sollte, und auch unzumutbare Belastungen vermeiden wollte: Deutschland hat schon jetzt eines der strengsten Waffengesetze der Welt. Wir sind daher einig in der Einschätzung, dass es gegenwärtig keinen weiteren Veränderungsbedarf im Waffenrecht gibt. Im Rahmen der bis Ende 2011 zu evaluierenden Wirksamkeit der getroffenen Regelungen zu sicheren Aufbewahrung und zum Schutz vor unberechtigtem Zugriff soll besonders darauf geachtet werden, ob es im praktischen Vollzug unzumutbare Belastungen für die Waffenbesitzer gegeben hat. – Quelle: Koalitionsvertrag CDU/CSU/FDP 2009 2018 stehen jedoch mehr Auflagen und mehr Kontrollen an; alles der „Sicherheit wegen“! Technische Entwicklung und Sicherheit alle Bürger Die letzte Verschärfung im Sommer 2017 bezog sich insbesondere auf die Aufbewahrungsvorschriften für Waffen. Auch hier wurden die „technische Entwicklung“ und „Sicherheit der Bürger“ als Argumente benutzt. Es gab jedoch zuvor keine richtige Evaluation der Länder in Bezug auf Diebstahl/Aufbruch von Waffenschränken. Es wurden lediglich ein paar Zahlen in den Raum geworfen und behauptet, dass es weniger Diebstahl gäbe, wenn jeder seine Waffen in den teuren (und schweren) Tresoren aufbewahre. Quelle: Unsere Email an die Abgeordneten (2017) Uns wurde zugetragen, dass diese Diebstahl-Zahlen manipuliert waren. Geschichte wiederholt sich. 2003 argumentierte die damalige Regierung mit angeblich 6000 gestohlenen Waffen, die jedoch hauptsächlich Registrierungsverluste waren, für höhere Auflagen in Bezug auf Aufbewahrung und Erbwaffen. Auch die Zahlen über den Anstieg von Jugendkriminalität und das Video über die angeblich tödlich verletzten Türsteher waren manipuliert worden, die 2008 zum Messerführverbot führten. Einigen Politikern ist der Transport von Waffen ein Dorn im Auge. Es werden sich sicherlich noch einige daran erinnern, dass 2009 der „Waffenlobbyist“ Streitberger („unser Mann in Brüssel“), der 2003 das „Lex Armatix“ für Erbwaffen begünstigte, für Armatix-Stöpsel als Transportsicherung warb. Es ist eventuell auch bekannt, dass ich einen Kreuzzug gegen Armatix geführt hatte. Trotz Insolvenz macht diese Firma aber weiter, insbesondere in den USA und bei der VN-Kleinwaffenkonferenz (s.u.). Gleiches ist von Ernst Mauch zu berichten. Dieser ist zwar nicht mehr bei Heckler & Koch oder Armatix, aber weiterhin in Sachen „Smart Guns“ in den USA aktiv (s.u). Es ist daher zu erwarten, dass in den Ministerien Beamte versuchen werden, weitere „technischen Mittel“ gesetzlich verpflichtend einzuführen. Dies wird ihnen mit der Änderung 2009 des §36 erleichtert: „Dabei können die Ausstattung der Schusswaffe mit mechanischen, elektronischen oder biometrischen Sicherungssystemen festgelegt werden.“ Quelle: Donna Quichotta: Armatix ist insolvent …. (2015, Katja Triebel) Die im Oktober 2017 gegründete Vereinigung der Berufswaffenträger berichtete, dass innerhalb von vier Jahren die Anzahl der Waffenscheine um 37% reduziert wurde: Wurden im Jahr 2013 noch insgesamt 18.000 waffenrechtliche Genehmigungen (Waffenscheine) gezählt, waren es Anfang 2017 nur mehr 11.000 Waffenscheine, die bundesweit ausgegeben waren – mit sinkender Tendenz! Diese Entwicklung gefährdet nicht nur die zivile Sicherheit in Deutschland, auch wirft sie existenzielle Fragen für die Berufsgruppe der Berufswaffenträger auf. Denn die Mehrzahl der reduzierten Waffenscheine sind jenen, der Berufsgruppe der Berufswaffenträger zuzurechnen. – Quelle: Bundesvereinigung der Waffenträger in der Sicherheitswirtschaft (BVWSW) e.V. Amnestie Amnestien sind mediale Erfolge ohne echten Sicherheitsgewinn (Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft). “Kriminelle liefern ihre Waffen natürlich nicht ab” (Konrad Freiberg, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei). Von den 200.000 abgegebenen Waffen waren 2009 zwischen 5% (Osten und Berlin) und 30% (Westen) illegalen Ursprungs, meist unangemeldeter Altbesitz, der die Sicherheit nicht relevant gefährdet oder verbotene Gegenstände wie z.B. Butterflymesser. Der überwiegende Teil der abgegebenen legalen Waffen bestand aus Erbwaffen (ohne Tresor/Sperre) und frei erwerbbaren Waffen. Die GRA berichtete: Waffen-Amnestie: Ein neuer Flop?! Nationales Waffenregister (NWR) Um die „Sicherheit zu erhöhen“, wird das NWR weiter ausgebaut. 2019 sollen Hersteller und Händler ihre Waffenzugänge und -abgänge elektronisch melden. Es ist sogar vorgesehen, dass jede Reparaturwaffe gemeldet wird. Im Sommer 2017 wurde hierfür als erster Schritt das verpflichtende Reparatur-/Verwahr-/Kommissionsbuch für Händler und Büchsenmacher eingeführt. Ab 2019 soll dann jede Reparaturannahme und -ausgabe elektronisch gemeldet werden. Man kann sich vorstellen, dass in der Zukunft dann auch jede Leihe (auch private für Wettkämpfe) elektronisch gemeldet werden muss. Im Zuge der Umsetzung der EU-Feuerwaffenrichtlinie wird auch der Verkauf von privaten Waffen erschwert werden. Angedacht sind Identifikationsnummern für Käufer, Verkäufer und Waffe, sowie eine Transaktionsnummer, ohne die eine Überlassung nicht mehr möglich sein wird. Würde dies die Sicherheit erhöhen? In den Evaluierungen der EU kam heraus, dass hauptsächlich illegale Waffen die Sicherheit gefährden. Diese illegalen Waffen stammen zu 2/3 aus Schmuggel und zu 1/3 aus unerlaubter Herstellung/Umbau innerhalb der EU. D.h. 75 bis 99% der Waffen, die unsere Sicherheit gefährden, waren nie registriert und werden auch künftig nicht registriert werden. Die GRA berichtete: Nationales Waffenregister Statistiken und Sicherheitsforschung Aussagekräftige Statistiken würden über den legalen Zustand von missbrauchten Waffen berichten, so wie es vor 2000 der Fall war: Eine Unterscheidung zwischen legalem, illegalen und erlaubnisfreien Besitz und deren Bezug auf die Straftat. Ebenso müssten die Motive, die Täter-Opfer-Beziehung und die Herkunft und Vorgeschichte der Täter, wie auch die Umstände der Tat statistisch erfasst werden. Ich hatte bereits auf die von der EU finanzierten ISEC Studie aus Skandinavien hingewiesen, die ein Handbuch für die präzise Datenerfassung bei Tötungsdelikten entwickelt hatte. Eine Auswertung in Bezug auf Schusswaffenmissbrauch findet man in meinem Report über Mord und Selbstmord in der EU auf der Seite 27. Bei meinen Recherchen bin ich auf eine Dissertation aus dem Jahr 2006 gestoßen, die Tötungsdelikte durch Schusswaffen untersucht hatte und dabei die meisten Daten des ISEC Handbuchs erfasste, obwohl sie fünf Jahre früher entstand. Sie lieferte ähnliche Ergebnisse wie die skandinavische Studie: Im Untersuchungszeitraum von 1993 bis 1999 wurden im Regierungsbezirk Münster 19 % der HomizidOpfer mittels einer Schusswaffe getötet. 60 % der Opfer wurden in ihrer eigenen Wohnung getötet, in 16 % der Fälle war dies eine gemeinsame Wohnung mit dem Täter. 60 % der Opfer waren männlich. Die Täter waren ausschließlich männlichen Geschlechts. 53 % der Täter waren nicht deutscher Nationalität. 80 % der Waffen befanden sich illegal im Besitz der Täter. 12% wurden bei Notwehr/Nothilfe durch Staatsbeamte benutzt. 8% waren in legalem, privaten Besitz. Zur Sicherheitsforschung müsste es Studien über Schusswaffenmissbrauch geben, die nicht nur die Zahlen wie oben auswerten, sondern auch untersuchen, ob der legale Besitz von Schusswaffen überhaupt einen Einfluss auf Tötungsdelikte hat. So gibt es z.B. „altruistische“ Tötungen und „erweiterte Selbstmorde“, in denen das Tatmittel ohne Belang ist. Die GroKo setzt auf mehr Kontrolle, mehr Registrierung und mehr Auflagen bei bereits registrierten Waffen, die – im Gegensatz zu illegalen Waffen – die Sicherheit nicht relevant gefährden. International VN-Kleinwaffenaktionsprogramm (PoA) und Waffenhandelsvertrag (ATT) hatten ursprünglich konventionelle Rüstungsgüter im Fokus, die in Deutschland dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegen. Dazu gehören Kriegsschiffe, Panzer, Panzerabwehrkanonen und auch die vollautomatischen Feuerwaffen. Kleinwaffen sind hierbei diejenigen, die von einer Person bedient werden können. Leichtwaffen diejenigen, die mindesten zwei Personen erfordern. Mittlerweile konzentrieren sich die Kleinwaffenkonferenzen und der ATT jedoch vorwiegend auf Kleinwaffen, und hier insbesondere auf diejenigen, die zivil besessen werden. Die GRA berichtete: 5. Kleinwaffenkonferenz in New York im Juni 2014 Mein Artikel auf Englisch: UN’s Hypocrisy on Arms (2016) Mein Artikel auf Deutsch: Follow the Money (2013) Einige Politiker und Mitarbeiter in den Ministerien (insbesondere im Auswärtigen Amt) träumen davon, dass nur noch „Smart Guns“ zugelassen werden, die a) per GPS geortet werden können und b) per „Internet-Sperrknopf“ zum Abfeuern gesperrt werden. https://video.vice.com/de/embed/58406647464cde3c016db4b2 Gesamten Artikel anzeigen
  6. Katja Triebel

    Caro (24) aus Berlin geht nur mit Pistole vor die Tür

    Sie macht eine Ausbildung in Güstrow beim BDS. Und im Februar fährt SID-Sicherheit nach Berlin, um ihr weitere Tricks zur Gewaltprävention beizubringen. Habe die beiden miteinander vernetzt. BTW: Ich habe Caro vor zwei Jahren auf Youtube "entdeckt", sie vernetzt und sie hat einen echt tollen Blog https://www.carolinmatthie.de/blog Ich weiß, Ihr mögt FB nicht, aber das Interview mit der WELT geht da viral echt ab: 160.000 Aufrufe: +++ Viraler geht's kaum +++ Über 160.000 Aufrufe, über 1500 Markierungen (10% sind wütend), über 1000 Kommentare - und natürlich neben Lob auch viel Kritik, auch aus unseren Reihen. Kommentar aus der Waffenlobby-Gruppe: >>So geht Lobbyarbeit für unsere Sache! Von 100 Betrachtern und Zuhörern wird einer mit dem Denken anfangen. Die Frau schafft etwas, wozu die ach so gestandenen Macker mit ihrem Gebashe hier in der Waffenlobby über angeblich sinnlose Gasknarren nicht in der Lage sind.<< Katjas Antwort: Oliver und ich sind ja als Interviewpartner nicht mehr gefragt (zu alt, zu kenntnisreich). Verlangt wurden im letzten Jahr immer nur junge Leute. Ich habe mehrfach Aufrufe erstellt, leider haben die wenigsten jungen Leute Zeit und Lust auf Interviews wie sie Carolin Matthie fast am laufenden Band abliefert. Von daher geben wir dann doch die meisten Anfragen, die uns nicht wollen, an Caro weiter. Aber genau ab Weitergabe ist dann auch Schluss mit Beeinflussung. Caro liest viel (auch die GRA News und Reports), bildet sich aber ihre eigene Meinung. Von daher ist sie Waffenrechts-Aktivistin und kein bezahltes Postergirl der "Waffenlobby". Und mittlerweile "vermarktet" sie sich komplett selber, da die Anfragen zum Interview im letzten Vierteljahr nicht mehr über uns kamen, sondern direkt an Caro gingen. Aufruf an junge Unterstützer: Wer Interesse an Interviews hat und uns zeigen kann, dass er/sie sich bereits intensiv mit dem Thema Waffenrecht/Selbstschutz öffentlich auseinandergesetzt hat, der möge sich bei uns melden (mit Links zu den eigenen Ansichten). Für die Kritiker und Interessierte an Selbstschutz: Empfehlenswert ist Caros Video zur "Gewaltprävention!"// Das rät die Berliner Polizei! https://www.carolinmatthie.de/single-post/2017/10/26/Video-Gewaltprävention-Das-rät-die-Berliner-Polizei
  7. Katja Triebel

    Ende des Mittelstands

    Der STERN titelt: Vermögensschock: Die Deutschen sind die armen Würstchen der EU Der Welt-Reichtums-Report zeigt, wie arm die meisten Deutschen wirklich sind. Von den Ländern der alten EU liegt nur Portugal hinter Deutschland. In den meisten Ländern besitzen die Bürger mehr als doppelt so viel Vermögen wie hierzulande. Erstaunlich allerdings, dass Franzosen (120.000) und Italiener (125.000) mehr als doppelt so reich wie die Deutschen sind. Lichtenstein (168.000) und Schweiz (229.000) bilden erwartungsgemäß die Spitze. In den alten Ländern der EU liegt nur Portugal (38.000) hinter Deutschland (47.000 Dollar). Stern vom 9. Dezember 2017 Diesmal hat der Stern statt sich auf die Kernaussagen des Global Wealth Report des Credit Suisse Research Institute’s zu verlassen, die Daten angeschaut und zwischen Durchschnittswert und Median unterschieden. Danach ist das Vermögen in der Schweiz und sogar im armen Portugal wesentlich gerechter verteilt als in den USA oder bei uns. Hier die Zahlen aus Tabelle 6.1: Durchschnitt, Median und Anteil des Medians am Durchschnittswert, sortiert nach Median. Schweiz: 537,599 – 229,059 -> 42% Belgien: 278,139 – 161,589 -> 58% Italien: 223,572 – 124,636 -> 55% Frankreich: 263,399 – 119,720 -> 45% Niederlande: 204,045 – 94,373 -> 46% Dänemark: 281,542 – 87,231 -> 30% Österreich: 221,456 – 57,534 -> 26% USA: 388,585 – 55,876 -> 14% Deutschland: 203,946 – 47,091 -> 23% Schweden: 260,667 – 45,235 -> 17% Portugal: 89,437 – 38,242 -> 42% Tschechische Republik: 51,472 – 23,083 -> 45% Der Stern liefert auch die Begründung: viele Mieter und immer geringere Renten machen die Deutschen arm. Mieter Der Hauptunterschied im Vermögensaufbau ist das geringe Immobilienvermögen der Privathaushalte. In Deutschland gehören die Immobilien meist den Reichen beziehungsweise ihren Firmen, die normale Bevölkerung wohnt zur Miete. Leider verfügen die Deutschen auch nicht über entsprechend höheres Geldvermögen um die geringen Immobilienwerte ausgleichen zu können. Renten Ernüchternd wirkt der Blick nach Österreich. Auch in der Alpenrepublik ist das Medianvermögen 11.000 Dollar höher als in Deutschland. Das Rentensystem wird dort ebenfalls mit einer Generationen-Umlage finanziert, die zu erwartenden Rentenleistungen sind in Österreich allerdings deutlich höher als in Deutschland. Der Autor Gernot Kramper verweist auf seinen Artikel, der genau vor einem Jahr erschienen ist: Ende des Mittelstands – den Jungen geht es schlechter als ihren Eltern Der Zuwachs des Realwachstums kommt in den letzten Jahren im Wesentlichen einer kleinen Elite zu gute. Und nicht zuletzt belastet die zunehmende Verschuldung junger Leute durch die enormen Studienkosten ihre Lebensaussichten. Der klassische Aufstiegsmotor „Studium“ hat damit an Kraft verloren. Er verweist auf die McKinsey-Studie, die die Haushaltseinkommen in 25 Industriestaaten untersucht hatte. Das Ergebnis ist schockierend: Zwei Drittel müssen mit einem realen Nullwachstum oder einem schrumpfenden Budget zurechtkommen. Der länderübergreifende Megatrend heißt Verarmung. Für die normale Bevölkerung geht es bergab. Nur die Eliten können ihre Position halten beziehungsweise sogar verbessern. Verschärfungen im Arbeitsmarkt In den meisten Ländern hat es hier Entwicklungen gegeben, die die Einkommen der Arbeitnehmer belasten. In Deutschland wären etwa die Zunahme von Zeitarbeit und befristeten Vertragsverhältnissen zu nennen. Namentlich in der Studie wurde eine deutsche Besonderheit aufgeführt: Teilzeitkräfte, die auf Abruf arbeiten müssen. Das sieht so aus: Die Betroffenen müssen wegen drohender Hartz-IV-Sanktionen eine meist schlecht bezahlte Teilzeitstelle annehmen. Für den 15-Stunden-Job müssen sie sich aber täglich auf Abruf für die gesamte Ladenöffnungszeit bereithalten. Sie haben also keine Chance, mit weiteren Tätigkeiten das Einkommen aufzubessern. Nullzinsen Auf diese wichtige Steuerungspolitik der EU wird leider nicht verwiesen. Wer seine Alterssicherung ausschließlich oder zusätzlich durch Lebensversicherungen und ähnlichem aufgebaut hat, verliert durch die Nullzinspolitik der EZB täglich Geld, auch steigen die Immobilienpreise. ZEIT berichtete im Mai 2017: Nullzinspolitik kostet deutsche Sparer 436 Milliarden Euro Laut den Berechnungen entgingen den Deutschen in den Jahren 2010 bis 2016 Zinseinnahmen in Höhe von 344 Milliarden Euro, schreibt die FAS. In diesem Jahr würden nach Schätzungen der DZ Bank noch einmal 92 Milliarden Euro hinzukommen. Die insgesamt 436 Milliarden Euro umgelegt auf die Deutschen machen im Durchschnitt 5.317 Euro je Bundesbürger. Die WI-WO berichtete im März 2016: Zudem treiben die niedrigen Zinsen die Anleger in immer risikoreichere und spekulativere Vermögensklassen. In Deutschland verzeichnen die Immobilienpreise bereits mehrjährige Höchststände, dasselbe gilt für Betriebsvermögen, Anleihekurse und Sammlergegenstände wie Gemälde und Oldtimer. Platzen diese Blasen, droht die Wirtschaft in die nächste Krise zu stürzen. Das IW Köln untersuchte die Nullzinspolitik 2015: Es zeigt sich, dass weniger die boomenden Aktienkurse und Immobilienpreise, sondern die niedrigen Zinsen auf Spareinlagen und Krediten eine umverteilende Wirkung hatten. So zeigt sich bei jungen Haushalten, die eine Immobilie über eine Hypothek finanzieren und die über wenige Spareinlagen verfügen, dass die Schuldendiensterleichterung den Verlust an Zinserträgen überkompensiert. Bei den älteren Haushalten überwiegt jedoch der Verlust an Zinserträgen, da diese demografische Gruppe tendenziell über einen hohen Anteil an Spareinlagen und nur geringe Schulden verfügt. Auch wenn sich keine Zunahme an Ungleichheit zeigt, so hat ein länger anhaltendes Niedrigzinsumfeld negative Auswirkungen für die Altersvorsorge. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Haushalte hohe Anteile an verzinslichen Spareinlagen halten und nur einen geringen Aktienanteil aufweisen. Wie arm sind die Deutschen? Ein Vergleich der Einkommen kann jedoch nicht für Armut herangezogen werden. Man kann im Verhältnis zu einem anderen Land viel verdienen und ist dennoch arm. Als depriviert (arm) gilt, wer sich aus finanziellen Gründen mindestens vier von neun Grundbedürfnissen nicht erfüllen kann: die Miete zahlen, die Wohnung heizen, unerwartete Ausgaben finanzieren, jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch oder eine gleichwertige Mahlzeit essen, eine Woche Urlaub pro Jahr machen sowie ein Auto, einen Farbfernseher, eine Waschmaschine und ein Telefon besitzen. Nach dieser Definition liegt Deutschland knapp über dem EU-Mittelwert: Quelle: IWD: Armut in EuropaDas IWD berichtet weiter: Der Wohlstand in den 28 EU-Mitgliedsstaaten unterscheidet sich erheblich: So ist die Armutsgefährdung in Bulgarien und Rumänien doppelt so hoch wie in Deutschland (Grafik). Obwohl Tschechien nicht zu den reichen EU-Ländern zählt, ist dort die Gefahr, in Armut leben zu müssen, am niedrigsten. Das liegt vor allem daran, dass es relativ wenige Menschen mit – nach Landesmaßstab – sehr niedrigen Einkommen gibt. Quelle: IWD – Armutsgefährdung 2017Armut innerhalb Deutschlands Der Spiegel berichtete im Sommer 2017: Armutsquoten nach Migrationshintergrund Die sozialen Unterschiede zwischen Menschen mit und Menschen ohne Migrationshintergrund haben 2016 zugenommen. Unter Einheimischen sank die Armut laut den jüngsten Daten aus dem Mikrozensus von 12,5 Prozent im Jahr 2015 auf 12,1 Prozent. Unter Menschen mit Migrationshintergrund wuchs sie um 0,4 Prozentpunkte und liegt nun bei 28,1 Prozent. Eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass dieser Unterschied vor allem auf die Zuwanderung von Flüchtlingen in den letzten Jahren zurückzuführen sei. Die jüngst Zugewanderten leben demnach mehrheitlich unter der Armutsgrenze. Die Altersarmut nimmt zu – in allen Gruppen Laut der Auswertung des WSI setzte sich im vergangenen Jahr ein weiterer langjähriger Trend fort: Immer mehr ältere Menschen leben in Armut: 14,8 Prozent aller Menschen im Alter von 65 Jahren und mehr lebten 2016 unter der Armutsgrenze. Spitzensteuersatz für Normalverdiener Wie der Stern richtig interpretierte, haben die Deutschen trotz geringem Wohneigentum keine finanziellen Reserven. Das liegt u.a. daran, dass die Steuerspirale seit Merkel ständig steigt: Facharbeiter werden heute besteuert wie früher Topmanager: Bereits ab einem Einkommen von 53.666 Euro greift in Deutschland derzeit der Spitzensteuersatz von 42 Prozent. 1960 lag der Spitzensteuersatz zwar bei 53 Prozent, aber dieser griff auch nur bei Leuten, die das 18-Fache verdient hatten. Heute reicht schon das 1,5-Fache. Quelle: INSM Fakten zur Einkommenssteuer 2017 2010 brachten Lohnsteuer und veranlagte Einkommensteuer, die etwa von Selbstständigen gezahlt wird, noch 159 Milliarden Euro ein. 2016 waren es bereits 239 Milliarden Euro. Das starke Wachstum der Staatseinnahmen liegt unter anderem an einer höheren Erwerbstätigenzahl. Aber auch die durchschnittliche Steuerlast stieg an – stärker als die Lohnzuwächse. Grund hierfür ist das progressive Steuersystem, in dem die Steuern stärker als der Lohn steigen. Quelle: INSM Fakten zur Einkommenssteuer 2017Mein Fazit: Gut gemeint – aber schlecht gemacht Der Staat glaubt, dass er die Armut nur durch Migration lösen könne, weil unsere Gesellschaft immer älter wird und uns die Arbeitskräfte aufgrund der wenigen Geburten ausgehen. Deswegen wurde die Zuwanderung so gepriesen. Nur hat unsere Politik die Zuwanderung falsch umgesetzt. Es kommen nicht diejenigen, die den Arbeitsmarkt stützen – wie in Kanada und Australien-, sondern diejenigen, die die Sozialsysteme belasten. Die, die jetzt neu dazu gekommen sind, lassen sich nur schwer in den Arbeitsmarkt integrieren. Sie vergrößern die Armut statt sie zu verringern. Jetzt wird gegengesteuert mit Unsummen an Bildungsmaßnahmen (Deutschkurse, Praktika, Ausbildungsverträgen), die aber häufig abgebrochen werden. Gleichzeitig wurden die Steuern, erhöht, die Renten gedrückt, die Ausgaben für Bildung heruntergefahren, die Ansprüche für höher Gebildete (Zulassung zum Hochschulstudium) gesenkt (beides schlecht für den Arbeitsmarkt), die Zinsen auf fast Null gesenkt (gut für die Staatsverschuldung, schlecht für die Alterssicherung), die Anschaffung von Wohneigentum verschlechtert (Wegfall Förderung, erhöhte Bauauflagen), die Strompreise erhöht und generell die Wirtschaft mit immer neuen EU-Auflagen behindert, die bei Nichtbeachtung zu Abmahnungen oder heftigen Bußgelder führen, wenn nicht gar zur Betriebsschließung. Und die Armut wird weiter wachsen…. Die jungen Leute, die es schaffen, verlassen Deutschland in Richtung Schweiz, USA, Kanada,Neuseeland und Australien. Und die, die bleiben, verarmen mittels Umverteilung immer mehr. Die Eliten werden nach Panama und Paradies andere Schlupflöcher finden oder ebenfalls das Land verlassen. Im Jahr 2016 verließen 4000 Millionäre Deutschland, im Vorjahr waren es 1000, in den vorherigen Jahren lag die Zahl im dreistelligen Bereich. Gesamten Artikel anzeigen
  8. Katja Triebel

    Glyphosat: Follow the money

    Jeder wünscht sich gesunde, bezahlbare Lebensmittel und möchte gleichzeitig die Artenvielfalt stärken und die Natur schützen. Doch wo Lebensmittel angebaut werden, gibt es keine Artenvielfalt, da Unkräuter den Ertrag schmälern; wo Lebensmittel produziert werden, greift der Mensch massiv in die Natur ein und bestimmt, was dort wachsen darf; wo preiswerte Herbizide verboten werden, müssen teure andere Herbizide oder teure menschliche Arbeit oder Roboter eingesetzt werden. Die Debatte um Glyphosat stellt beim Bürger eine generelle Kritik an der konventionelle Landwirtschaft dar (mehr Artenvielfalt) und fordert eigentlich ein Verbot sämtlicher Chemie in der Natur und Nahrungsmittelproduktion (weniger Pestizide). Schaut man sich aber die derzeitigen Alternativen von Glyphosat an (Pflügen oder andere Herbizide), so kann man erkennen, dass ein Verbot weder zu mehr Artenreichtum führen wird, noch dazu, dass weniger schädliche Gifte in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Es geht einzig und allein darum, künftig teure EU-Herbizide abzusetzen, die solange unverkäuflich sind, solange es Glyphosat gibt, dessen Patent schon abgelaufen ist. Ein Aktivist des PAN Italia (Pesticide Action Networks) kritisiert auf Twitter, dass dieses Verbot eben nicht zu einem Verbot von Pestiziden führt, sondern nur, um die „Bio-Herbizide“ von Novamont (IT), Jade (FR) und Belchim (BE) zu promoten. Warum haben #italia u #France #StopGlifosato #StopGlyphosate gestimmt? Um #Gesundheit @IARCWHO zu schützen? oder um @Novamont #Jade #Belchim Crop Protection @BelchimUK zu helfen und ihr #Beloukha #Herbizid Produkt zu promoten und um #glyphosate #Roundup #Monsanto zu ersetzen? RT — Koen Hertoge (@KoenHer) November 29, 2017 Ich beschäftige mich jetzt sein über zwei Jahren mit Glyphosat, insbesondere in der letzten Woche und habe mal viel Wissenswertes aus Verbrauchersicht zusammen gestellt. Achtung der Artikel ist sehr lang, daher vorab die Zwischenüberschriften: Herbizidfreie Landwirtschaft Artienvielfalt Alternative: Pflügen Alternative: andere Herbizide Follow the money: Belouhka (FR/IT/BE) statt Roundup (US/DE) Pelargonsäure Glyphosat Ist Glyphosat krebserregend? Nein! Vergleich Glyphosat mit Pelargonsäure Die Dosis macht das Gift (nicht die Herkunft) Warum der Kreuzzug gegen Glyphosat? Zwei-Klassen-Chemie Weitere Infos Mein Fazit Herbizidfreie Landwirtschaft Daher ist das einzig Gute an der Debatte um Glyphosat, dass tatsächlich an einer herbizidfreien Landwirtschaft geforscht wird. Diese ist laut Experten realisierbar, aber auch kostenintensiver bei der Herstellung von Lebens- und Futtermittel. Um Unkräuter zu unterdrücken, forscht man an vielgliedrigen Fruchtfolgen, an der Untersaat von Bodendeckern wie Klee und Gras bei Mais und Getreide und auch an intelligenten Geräten oder gar selbständig durchs Feld fahrenden Agrarrobotern, die Unkräuter erkennen und nur diese gezielt entfernen. Zur Zeit gibt es jedoch noch keine massentaugliche Methode, die funktioniert oder bezahlbar wäre. Die Mehrheit der Konsumenten ist (noch) nicht bereit, deutlich mehr für Nahrung zu zahlen. Artenvielfalt Jede Form von Landwirtschaft ist schlecht für die Artenvielfalt – ob der Acker nun mit Glyphosat und damit bodenschonend behandelt oder mit dem Pflug umgebrochen wurde: Das, was vorher dort wuchs, lebt danach nicht mehr. Das verschafft dem Saatgut, das danach ausgebracht wird, einen Zeitvorteil. Ludger Wess „Natürlich reduziert Glyphosat den Pflanzenaufwuchs auf einer Fläche– das macht die mechanische Bodenbearbeitung mit dem Pflug aber auch.“ UBA-Chefin Maria Krautzberger: „Denn Glyphosat und andere Breitbandherbizide tragen nachweislich zum Verlust der Artenvielfalt in Ackerlandschaften bei. Sie beseitigen auf Äckern jeglichen Wildpflanzenwuchs, so dass Insekten und Feldvögeln wie Lerche und Rebhuhn die Nahrungsgrundlage fehlt.“ Der Bericht empfiehlt deshalb der Europäischen Kommission, die Genehmigung für Glyphosat mit der Maßgabe zu verbinden, dass die Mitgliedstaaten Maßnahmen ergreifen, um solche Effekte und nachteilige Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zu reduzieren.“ „Hier steht schwarz auf weiß, dass die vermuteten Effekte nicht typisch für die Substanz Glyphosat sind, sondern für den Gebrauch von Herbiziden per se.“ „Wenn nicht Glyphosat, dann würde ein anderes Herbizid eingesetzt werden oder es würde mehr gepflügt werden.“ Barbara Hendricks kommentierte die Entscheidung in ihrem Online-Tagebuch 2: „Die ECHA hat aber auch klargemacht: Für unsere Umwelt ist Glyphosat äußerst gefährlich. Glyphosat stellt eine erhebliche Gefahr für die Artenvielfalt auf Feldern und Äckern dar. Was lange Zeit von der Pflanzenschutzmittelindustrie als Lappalie abgetan wurde, ist nun von der zuständigen EU-Behörde als erhebliche Umweltgefährdung eingestuft worden.“ Diese Einschätzung verwundert vor dem Hintergrund, dass die ECHA die Einstufung „Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung“ lediglich bestätigt hat. Die Behörde hat keinerlei neue Einstufung vorgenommen. Alle Zulassungen für glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel sehen entsprechende Anwendungsauflagen wie Mindestabstände zu Gewässern vor, so dass Schäden in der Umwelt vermieden werden. „Im Hinblick auf die Alternativen, die ökonomisch, aber häufig auch ökologisch und gesundheitlich problematischer sind, sollte die Genehmigung verlängert werden. Gleichzeitig sollten jedoch die Einsatzgebiete drastisch eingeschränkt werden (keine Sikkation, Unterstützung von pflugloser Direkteinsaat nur auf erosionsgefährdeten Feldstücken), um die flächige Belastung und die potenzielle Belastung von Erntegut zu reduzieren.“ Novo-Argumente Alternative: Pflügen Mehr Kosten (500 Millionen Euro), mehr CO²-Ausstoß (500.000 Tonnen), mehr Bodenerosion, weniger Regenwürmer, weniger Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens, weniger Artenvielfalt. Die einzig akzeptable und zugleich sofort praktizierbare Alternative zu Glyphosat ist die mechanische Unkrautbekämpfung durch Bodenbearbeitung, zum Beispiel durch Umpflügen oder das maschinelle Ausreissen der Unkräuter. Doch das bedeutet für sehr viele Flächen mehr Arbeitsstunden und mehr Traktorfahrten. Eine Grobkalkulation habe ergeben, dass in Deutschland für eine mechanische Unkrautvernichtung in der Landwirtschaft pro Jahr 180 000 Tonnen mehr Diesel und 18 Millionen mehr Arbeitsstunden nötig wären, rechnet Gehring vor. Das wären 500 Millionen Euro zusätzliche Kosten jährlich – und 500 000 Tonnen mehr Kohlendioxid-Äquivalente. Ein weiterer Nachteil ist, dass sich durch mehr Bodenbearbeitungen die Bodenqualität verschlechtern kann, vor allem wenn mehrfach mit schwerem Gerät über den Acker gefahren werden muss. In Hanglagen oder bei spezieller Bodenbeschaffenheit erhöht Pflügen zudem die Gefahr von Bodenerosion. Ohne Glyphosat müssten laut Experten auch pfluglose Anbaumethoden für Mais, Zuckerrüben oder Weizen wie Mulchsaat oder Direktsaat deutlich verändert werden. Denn dabei dient Glyphosat als Pflugersatz. Der Vorteil dieser nicht nur in der Schweiz und in Deutschland etablierten Anbaumethoden ist, dass sie den Boden schonen. NZZ – Alternativen sind dünn gesät In der ökologischen Landwirtschaft reguliert man den Beikrautdruck mechanisch. Vor der Aussaat wird gepflügt. Eine pfluglose Bewirtschaftung mittels Direktsaatverfahren wäre weitaus bodenschonender, die funktioniert aber im Moment eben nur mit entsprechenden Herbizidanwendungen praktikabel. Mimikama Bei diesen Ackerbausystemen wird auf den Pflug verzichtet, was enorme Vorteile für Bodenleben und -struktur mit sich bringt: u.a. mehr Regenwürmer, mehr Humus im Boden, mehr Biodiversität, bessere Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens, weniger Erosion, weniger Treibstoffverbrauch und geringerer CO2-Ausstoß. Es erscheint mir sinnvoll, bei der Diskussion um Herbizide und insbesondere um Glyphosat die Biodiversitätswirkung des gesamten Ackerbausystems zu betrachten und nicht nur die Wirkungen einzelner Maßnahmen. Bei einem direkten Vergleich schneiden Mulch- und Direktsaatsysteme sehr gut ab: Regenwürmer, Laufkäfer und Spinnen profitieren davon, dass Erntereste und anderes organisches Material an der Bodenoberfläche bleiben. Novo-Argumente Alternative: andere Herbizide Andere Herbizide sind häufig deutlich schädlicher und weniger effizient. Sollte Glyphosat nämlich nicht mehr verfügbar sein, so werden Landwirte voraussichtlich zur Bekämpfung von Unkräutern auf andere zugelassene Herbizide umsteigen. Doch diese seien für die Umwelt häufig deutlich schädlicher, betonen sowohl Christoph Schäfers, Ökotoxikologe am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie in Schmallenberg, wie auch Klaus Gehring von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Diese Chemikalien seien nämlich toxischer für die Fauna. Zudem müsse man mehr davon einsetzen, weil sie weniger effizient seien als Glyphosat. In diversen Forschungseinrichtungen werden daher neue, «harmlosere» Mittel erprobt. Aussichtsreichste Kandidaten sind derzeit organische Säuren wie Pelargonsäure oder Essigsäure, sogenannte Bioherbizide. Sie müssen aber wesentlich häufiger eingesetzt werden, da sie im Gegensatz zu Glyphosat nur die Blätter verbrennen, nicht aber die Wurzel absterben lassen. Ihr Einsatz ist damit um ein Vielfaches teurer. Ausserdem fehlen derzeit Systeme für die grossflächige Anwendung und vielerorts auch die Zulassung. NZZ – Alternativen sind dünn gesät Follow the money: Belouhka (FR/IT/BE) statt Roundup (US/DE) Auch wenn Glyphosat von der EU noch weitere Jahre zugelassen wird, erlaubt das EU-Recht jedem Land, den Einsatz glyphosathaltiger Unkrautgifte auf dem eigenen Gebiet schlicht zu verbieten. Italien, Frankreich, Luxemburg und Belgien haben genau dies jetzt vor. Franzosen und Italiener spüren eine goldene Chance im Glyphosat-Verbot Ein Verbot würde heimischen Champions eine gute Gelegenheit geben, ihre Alternativen zu vermarkten. Frankreich und Italien haben einen Plan B: ein natürlicheres Produkt, das Monsantos allgegenwärtiges auf Glyphosat basierendes Herbizid Roundup aus seiner beherrschenden Stellung in der europäischen Landwirtschaft zu verdrängen droht. Politico.eu Die folgenden Informationen stammen aus dem Artikel von Politico: Europas Alternative zu Glyphosat basiert auf Pelargonsäure Seit 2015 gibt es eine belgisch-französisch-italienische Zusammenarbeit in den chemischen Werken, die an einem Verbot von Glyphosat arbeiten, um die eigenen chemischen Unkrautvernichtungsmittel zu promoten, die bis zu 70% auf Pelargonsäure basieren. Diese Chemieunternehmen feuerten auch die langwierige Debatte hinter den Kulissen an, ob Glyphosat für Mensch und Umwelt schädlich sei. Zustimmung der Agrarlobby Bevor Frankreich und Italien national Glyphosat verbieten konnten, benötigten sie die Zustimmung der landwirtschaftlichen Organisationen. Die große französische Bauerngewerkschaft hat vor kurzem mit 40 anderen landwirtschaftlichen Organisationen ein Abkommen unterzeichnet, um die Verwendung von Glyphosat zu reduzieren und „Alternativen zum Schutz der Kulturpflanzen und zur Reaktion auf die Erwartungen der Gesellschaft“ anzunehmen. In Italien hatte 2015 die international agierende Biochemiefirma Novamont mit der Dachorganisation für Bauerngenossenschaften, eine Vereinbarung getroffen, das Bio-Herbizid „Beloukha“ im ganzen Land zu verkaufen. Novamont, das Pelargonsäure produziert, hat eine exklusive Vertriebsvereinbarung für das Bio-Herbizid. Italiens führende Bauerngewerkschaft Coldiretti war einer der führenden Gegner von Glyphosat. Pelargonsäure Pelargonsäure ist eine natürlich vorkommenden Chemikalie, die in einer Vielzahl von Pflanzen vorkommt, insbesondere Disteln. Der Haupthersteller ist ein Unternehmen namens Jade mit Sitz in den Außenbezirken von Bordeaux, das eine exklusive Vertriebsvereinbarung mit Novamont (siehe vorherigen Absatz), einem italienischen Chemieunternehmen, abgeschlossen hat. Pelargonsäure wird seit Jahren in Unkrautvernichtungsmittel verwendet, jedoch in sehr niedrigen Prozentsätzen. Monsantos Roundup besteht aus 2 Prozent der Substanz. Die neue Generation von Bio-Herbiziden in Italien und Frankreich enthält rund 70 Prozent. Eine Handvoll anderer europäischer Unternehmen produziert ebenfalls ähnliche Herbizide unter Verwendung von Pelargonsäure, jedoch mit geringeren Mengen. Das italienischen Landwirtschaftsministerium für Pflanzenschutz sieht in Perlagonsäure ein wirksames Herbizid und Alternative zu Glyphosat. Es räumt zwar höhere Produktkosten als für Glyphosat ein, betont jedoch, dass die Einführung des Produkts im Einklang mit Italiens Versuch sein würde, „auf eine nachhaltige Landwirtschaft mit einem völlig anderen Ansatz hinzuarbeiten“. (Wieso anderer Ansatz? Herbizid bleibt Herbizid) Europas Lebensmittel- und Chemikalienbehörden haben Pelargonsäure für den kommerziellen Gebrauch in der EU zugelassen, aber sie sollten mit einer Warnung versehen werden, dass sie ernsthafte Augenreizungen verursachen, das Leben im Wasser schädigen und Hautbeschwerden hervorrufen kann. (Ähnliche Gefährdungen wie bei Glyphosat) Pestizid-Experten erkennen an, dass zwar Unkrautvernichter auf der Basis von Pelargonsäure nicht so wirksam wie Glyphosat sind – sie zerstören nicht die Wurzeln – die Herbizide jedoch als „natürliche“ Alternative angesehen werden. Ein Lobbyist, der an Chemikalien arbeitet, sagte, das Risiko bestehe darin, dass Unkräuter im Folgejahr nach der Behandlung zurückkehren würden, und witzelte, dass es nur für „Hobbygärtner“ geeignet sei. Glyphosat Der Wirkmechanismus von Glyphosat ist bekannt: Es blockiert ein bestimmtes Enzym, das die Pflanzen zum Überleben brauchen. Wir Menschen haben dieses Enzym aber gar nicht – daher bringt Glyphosat das Unkraut um, lässt uns aber weitgehend in Ruhe. Glyphosat ist ein Totalherbizid, es wird von Landwirten vor der Aussaat auf das Feld ausgebracht, um Unkraut zu vernichten, dass sonst die Qualität von Weizen, Gerste oder anderen angebauten Getreide- oder Gemüsesorten beeinträchtigen würde. Dass Glyphosat auf schon bestellte Felder gespritzt wird (im Fachjargon „Sikkation“ genannt), ist in Deutschland seit 2014 nur mit Sondergenehmigung erlaubt. Ebenso ist genmanipuliertes Saatgut, das immun gegen den Wirkstoff Glyphosat ist, in Deutschland verboten. Die größte Diskussion beim Thema Glyphosat dreht sich um die Frage, ob das Herbizid krebserregend und somit gefährlich für den Menschen ist, oder nicht. Nicht nur Glyphosat, auch Sonnenstrahlen, rotes Fleisch und der Beruf des Friseurs stuft das Institut als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. BfR und EFSA fragen: Wie groß ist das tatsächliche Risiko, dass jemand durch Glyphosat Krebs bekommt? Hier kommt es natürlich darauf an, welchen Mengen Menschen tatsächlich ausgesetzt sind. Beide kommen zu dem Ergebnis, dass die Mengen, um die es wirklich geht, keine realistische Gefahr darstellen. Handelsblatt: „Auf Kosten der Sorge von Menschen Stimmung betreiben“ Ist Glyphosat krebserregend? Nein! Der Unkrautvernichter Glyphopsat ist nicht krebserregend, sagt Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) Die Wissenschaft sei sich da einig. Aber bestimmten politische Kreisen passe das nicht. Alle Zulassungsbehörden der Welt kommen zum selben Schluss wie wir, dass nämlich Glyphosat nicht krebserregend ist. Auch die zuständige Behörde der WHO – das JMPR –, die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und die europäische Chemiekalienagentur ECHA sehen das so. Glyphosat ist seit 40 Jahren auf dem Markt. Es ist eine der am besten untersuchten Substanzen der Welt, es ist das wichtigste Pflanzenschutzmittel. Und erst kürzlich ist eine neue Studie aus den USA mit zehntausenden Probanden aus der Landwirtschaft erschienen, die zum selben Ergebnis kommt. Die Bio-Landwirtschaft kommt ja auch nicht ohne chemische Spritzmittel aus, allerdings sagt sie, dass das nur Stoffe sind, die auch in der Natur vorkommen. Wir Wissenschaftler können mit einer solchen Unterscheidung der Chemie aber nicht viel anfangen. Wirkung ist Wirkung und Substanz ist Substanz. Wir machen im Jahr rund 3000 Risikobewertungen und nur bei zweien gibt es Ärger: bei Glyphosat und der Gentechnik. Die Leute haben Angst vor der Chemie in der Nahrung, aber tatsächlich krank werden sie von Bakterien, Pilzen oder Viren im Essen. Tagesspiegel Interview mit dem Präsidenten des BfR Ungeklärte Gesundheits-Risiken sollten durch die Einstufung der Europäischen Chemikalienagentur ECHA inzwischen ausgeräumt sein. Im März meldete die Einrichtung, dass Glyphosat weder als krebserregend noch als reproduktionstoxisch einzustufen sei. Novo-Argumente Vergleich Glyphosat mit Pelargonsäure Will man Glyhphosat mit Pelargonsäure oder „Roundup“ mit dem italienisch-französischem „Beloukha“ vergleichen, so lohnt ein Blick in die Datensicherheitsblätter: Datensicherheitsblatt für Roundup® REKORD von Monsanto Datensicherheitsblatt für Roundup® PowerFlex von Monsanto Datensicherheitsblatt für Beloukha von Novamento/Jade/Belchim GHS052. MÖGLICHE GEFAHREN Während die beiden Roundups nicht als gefährlich eingestuft werden, muss das Beloukha mit dem Gefahrsymbol GHS05 gekennzeichnet werden und den Gefahrhinweisen nach CLP: H315 – Verursacht Hautreizungen H318 – Verursacht schwere Augenschäden 11. ANGABEN ZUR TOXIKOLOGIE Um auszudrücken, wie giftig eine Substanz ist, gibt man oft die letale Dosis LD50 an. Das ist jene Menge der Substanz, die man Tieren oder Menschen pro Kilogramm ihres Körpergewichts zuführen muss, sodass die Hälfte von ihnen stirbt. In Versuchen mit Ratten braucht man dafür ca 5 Gramm Glyphosat pro Kilogramm Rattengewicht – das ist ziemlich viel. Glyphosat ist also nicht besonders giftig, die akute Toxizität von Kochsalz ist höher als die von Glyphosat. Die Werte für „LD50 oral-Ratte“ laut Datensicherheitsblätter: Beloukha > 2000 mg/kg Pelargonsäure > 5000 mg/kg Roundup® PowerFlex > 2000 mg/kg Roundup® REKORD > 5000 mg/kg Für jedes Pflanzenschutzmittel muss man bewerten, wie es sich auf andere Organismen auswirkt, die nicht Ziel der Maßnahme sind, ob es für diese womöglich auch toxisch ist, ob es Nebeneffekte gibt. Ebenfalls versucht man verschiedene andere Aspekte zu berücksichtigen, um sich ein Bild davon machen zu können, wie sich der Stoff in der Umwelt verhält. Ist er biologisch abbaubar und wie schnell oder ist er eher langlebig? Ist er wasserlöslich? Ist er sehr mobil oder verbleibt er im Wesentlichen am Ort der Ausbringung? Glyphosat macht sich da überwiegend gut. Es ist relativ gut biologisch abbaubar, hat eine geringe Mobilität, ist gut wasserlöslich und weist eine geringe Toxizität gegenüber Tieren auf. Pestizide allgemein gibt es auch im Bioanbau. Durch Einhaltung bestimmter Fruchtfolgen oder durch Einsatz mechanischer Fallen oder von Nützlingen ist der Schädlingsdruck allgemein niedriger. Als Ultima Ratio kommen jedoch auch hier Pestizide zum Einsatz, nur eben „natürliche“, wie etwa Kupfersulfat, bestimmte Pflanzengifte oder Mineralöle (vgl. Anhang 2 der Durchführungsbestimmung (EG) Nr. 889/2008 zur EG-Öko-Verrordnung, S. 123 ff.). „Natürlich“ heißt hier aber nicht, dass sie nicht weniger problematisch für die Umwelt oder den Mensch sind, im Gegenteil, viele der dort zulässigen Pestizide sind weit langlebiger, schlecht bis kaum wasserlöslich und wirken weitaus unspezifischer (d. h. erfassen also weit mehr Lebewesen als nur die beabsichtigten Zielorganismen). Mimikama Die Dosis macht das Gift (nicht die Herkunft) Egal ob natürlichen Ursprungs (Kochsalz, Alkohol, Chrysathemen und Disteln) oder aus dem Chemie-Labor: auch wenn Bio drauf steht, können Organismen am Einsatz sterben. Daher ist es so wichtig, das ungefährlichste Mittel zu wählen – egal, wo es herstammt – und den Einsatz auf das Notwendigste zu reduzieren. Vor künstlich hergestellten Substanzen haben viele Leute Angst – manchmal durchaus zu Recht. Stoffen, die aus der Natur kommen, wird mehr Vertrauen entgegengebracht. Das mag einleuchtend klingen, ist aber ein Fehlschluss. Viele der giftigsten Substanzen, die wir heute kennen, stammen aus der Natur. Vieles, was unsere Chemiefabriken in Kanistern mit kompliziert klingender Aufschrift verlässt, ist hingegen völlig harmlos. Künstliches als gefährlich und Natürliches als gesund zu betrachten ist wissenschaftlich unhaltbar – so einfach ist es nicht. Auch Pflanzenschutzmittel, die als natürlich angepriesen werden, bringen Ratten im Tierversuch bereits in geringeren Mengen um als Glyphosat: Die letale Dosis von Kupfersulphat, das in der Bio-Landwirtschaft verwendet werden darf, ist deutlich geringer als die des gefürchteten Unkrautvernichtungsmittels von Monsanto. Dasselbe gilt für die völlig natürlichen Pyrethrine, die man aus der Chrysantheme gewinnt: Die Ratten werden mit einem reinen Naturprodukt gefüttert, mit Bio-Gütesiegel – aber das nützt ihnen wenig, am Ende sind sie trotzdem tot. Wer also ein Glyphosat-Verbot verlangt, der muss auch ganz klar sagen, was er stattdessen verwenden möchte. Aus Angst vor Glyphosat auf andere, schädlichere Substanzen umzusteigen, nur weil man auf sie ein Bio-Etikett kleben kann, ist Unfug. Umweltschutz heißt, die umweltfreundlichsten Substanzen zu verwenden, und gefährliche Stoffe zu vermeiden. Ob diese Stoffe künstlich hergestellt oder natürlich erzeugt wurden, sollte keine Rolle spielen. Wenn man irgendeine schädliche Chemikalie in der Muttermilch, im Frischgemüse oder in meinem Daumennagel findet, dann ist das zunächst kein Grund zur Beunruhigung, sondern möglicherweise bloß ein Beweis für die bewundernswerte Messgenauigkeit der analytischen Chemie. Die Dosis macht das Gift. Die böse Chemie Das natürliche THC, der psychoaktive Wirkstoff von Cannabis, für dessen Entkriminalisierung die Grünen kämpfen, ist. 80 mal schädlicher als Glyphosat. Auch das chemisch hergestellte Kupfersulfat, für dessen Zulassung die Grünen ebenfalls kämpfen, ist 90 mal toxischer als Glyphosat. Gleiches gilt für das chemisch hergestellte Kaliumphosponat, für das die Grünen eine Zulassung als Fungizid im Ökolandbau fordern. Angaben zur Toxikologie aus den Datensicherheitsblättern Pyrethrine (Bio aus Chrysathemen): 570 – 1500 mg/kg Kupfersulfat (Bio-Chemie): 960 mg/kg Kaliumphosphonat (Chemie): 5000 mg/kg Warum der Kreuzzug gegen Glyphosat? Glyphosat wurde ausgewählt, weil es aus zwei Gründen verhasst ist und zur Polarisierung taugt. Erstens wird es von Monsanto hergestellt, einem amerikanischen (!) Unternehmen, das viele als das personifizierte Böse ansehen, und zweitens wird es in vielen Ländern in Kombination mit Gentechnik angewandt. Gentechnisch gezüchtete Soja oder Baumwolle enthalten daher immer Spuren von Glyphosat (die Analytik kann inzwischen ein Roggenkorn in einem 40.000 km langen Güterzug mit Weizen finden). Würde Glyphosat in der EU verboten, dürfte auch keine Gentechnik-Baumwolle und kein Viehfutter aus Gentechnik-Sojabohnen mehr importiert werden. https://www.salonkolumnisten.com/glyphoshima/ Der Hass auf Gentechnik und Monsanto führt dazu, dass die Gegner völlig übertreiben. Das Handelsblatt hat sich das Anti-Glyphosat-Video der Grünen genauer angeschaut, das zu 100% mit Fake-News arbeitet: Die Grünen kämpfen schon seit Jahren für ein Verbot des Unkrautkillers Glyphosat. Jetzt gehen sie in einem Video auf ihrer Facebook-Seite wohl einen Schritt zu weit. Falsche Bilder sorgen für Aufruhr im Netz. Wer das Video der Grünen zum Thema Glyphosat sieht, muss meinen, auf deutschen Äckern wird mit für Mensch, Tier und Umwelt hochgiftigen Mitteln gearbeitet. Dabei scheint die Ökopartei es diesmal mit den Fakten nicht ganz so genau zu nehmen. Das erste Bild zeigt einen Mann im Schutzanzug, der ein Pflanzenschutzmittel auf Weinreben spritzt. Enthielte die Substanz in dem Behälter tatsächlich Glyphosat, würde der Wein allerdings sofort absterben. Dass Glyphosat auf schon bestellte Felder gespritzt wird (im Fachjargon „Sikkation“ genannt), ist in Deutschland seit 2014 nicht mehr erlaubt (Anm. nur mit Sondergenehmigung und Kontrolle erlaubt). Ebenso ist genmanipuliertes Saatgut, das immun gegen den Wirkstoff Glyphosat ist, in Deutschland verboten. Auf dem zweiten Bild im Video ist ein toter Frosch zu sehen. Immer wieder gerät der Unkrautvernichter in den Verruf, für das Insektensterben verantwortlich zu sein. Für Tiere ist er allerdings nicht tödlich. Richtig ist: Glyphosat vernichtet auch Kräuter und Pflanzen, von denen sich Insekten ernähren könnten. Trotzdem kann man schlecht Glyphosat die Schuld am Insektensterben geben, denn Landwirte würden Unkraut sonst eben auf andere Art entfernen. Zum Beispiel durch pflügen oder grubbern. Entscheidend ist eher, dass Insekten insgesamt zu wenig Nahrung in der Landschaft finden – immer weniger Grün, immer weniger Ackerrandstreifen und immer weniger wilde Blüten oder Flächenversiegelung sind Gründe. Das dritte und letzte Bild zeigt ein bestelltes Feld und ein Warnschild mit einem Totenkopf. Dazu heißt es in dem Video: „Dann gelangt es (Glyphosat, Anm. d. Red.) in unsere Gewässer und belastet unser Essen.“ Die größte Diskussion beim Thema Glyphosat dreht sich um die Frage, ob das Herbizid krebserregend und somit gefährlich für den Menschen ist, oder nicht. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC – eine Unterbehörde der Weltgesundheitsorganisation WHO – stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ebenso wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kommen zum Ergebnis, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht. Handelsblatt: „Auf Kosten der Sorge von Menschen Stimmung betreiben“ Zwei-Klassen-Chemie Umweltschützer, Biobauern und Grüne engagieren sich derzeit sehr stark in Sachen Pflanzenschutz. Während sie gegen Glyphosat auf die Straße gehen und die EU-Kommission für ihre Entscheidung, die Zulassung von Glyphosat zu verlängern, heftig kritisieren, fordern sie von derselben Kommission die Zulassung von Kaliumphosphonat als Mittel gegen Pilzerkrankungen im Ökolandbau. Grüne Ministerinnen genehmigten in diesem Sommer sogar Großversuche mit diesem Fungizid. Hintergrund dieser Aktion ist die Entscheidung der EU, das Kaliumphosphonat im Rahmen der EU-Ökoverordnung von der Liste der zugelassenen Pflanzenschutzmittel zu entfernen. Seit 2013 ist der Einsatz des Mittels Biobauern in allen EU-Mitgliedsstaaten verboten. So kam es in diesem Jahr im Biolandbau zu extremen Ernteausfällen bei Gurken, Wein, Kartoffeln und anderen Pflanzen. Bemerkenswert an der Debatte ist: Beide Substanzen gehören zu den Phosphonaten; beide kommen in der Natur nicht vor, und beide stammen aus den Syntheselabors der Chemieindustrie. Jetzt sind erhebliche Anstrengungen nötig, um das Kaliumphosphonat von einem anderen synthetischen Phosphonat abzugrenzen: dem Glyphosat, dem Molekül gewordenen Symbol für alles, was Ökoanhängern verdammenswert erscheint. Glyphosat, Fosetyl-Al und Kaliumphosphonat greifen tief in den Stoffwechseln von Pflanzen ein und werden von den Pflanzen nicht abgebaut, so dass Rückstände in die Umwelt und in die Nahrung geraten können. Für die genannten Phosphonate gilt allerdings auch, dass ihre Giftigkeit für Mensch und Tier sehr gering ist. Was nicht für alle gilt: die Sympathie von Umweltschützern. Beim wesentlich besser untersuchten Glyphosat (oder sollte man sagen „Glycinphosphonat“?) wurde 2015 unter dubiosen Umständen der Verdacht geäußert, es könne bei Menschen, die beruflichen Umgang mit Glyphosat haben, ein leicht erhöhtes Risiko für gewisse Formen von Blutkrebs geben. Inzwischen sind renommierte Institutionen wie die WHO/FAO und die US-Umweltbehörde EPA auf breiterer Informationsbasis zu anderen Auffassungen gekommen. Dennoch werden Aktivisten nicht müde, nach dem Totalverbot von Glyphosat zu rufen („Krebs!!“, „Vorsorgeprinzip!“, „Lebensgefahr!“). Der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner verstieg sich gar zu der Bezeichnung „Merkelgift“. Beim wesentlich schlechter untersuchten „Kalphosat“ hingegen betrieben die grünen Umwelt- und Agraministerinnen Priska Hinz und Ulrike Höfken in Brüssel Lobbyarbeit für das Chemieprodukt und ermutigten Ökobauern in Hessen und Rheinland-Pfalz 2016 sogar zur Nutzung des Fungizids zur Rettung ihrer Ernte. Sie richteten dazu „Großversuche“ mit Ausnahmegenehmigungen ein (wobei allerdings nicht klar ist, ob die EU diese nachträglich genehmigt). Auch andere grüne Politiker, Umweltschützer und Ökolandbauverbände fordern die Wiederzulassung des „Hinz“- bzw. „Höfken“-Gifts – schließlich soll der Ökolandbau sein einzig wirksames systemisch wirkendes Pestizid nicht verlieren. Die Forderung „solange nicht zweifelsfrei erwiesen ist, dass Glyphosat gesundheitlich unbedenklich ist, muss das Vorsorgeprinzip greifen“ und Glyphosat verboten werden, wird für Kaliumphosphonat offenbar nicht erhoben. Zwei-Klassen-Chemie Weitere Infos: Tagesschau-Kommentar: Deutsches Ja zu GlyphosatÜberraschend, vernünftig, überfällig Spiegel: Was spricht für Glyphosat, was dagegen? Reuters: Merkel – Union wird in EU für weitere Glyphosat-Nutzung kämpfen Welt: GLYPHOSAT-STREIT: Auch Barbara Hendricks griff in die Trickkiste Agrar-Heute: Glyphosat im Getreide: Das sind die Regeln Mein Fazit Auch ich wünsche mir eine pestizidfreie, artenvielfalt-fördernde Landwirtschaft. Ich habe selber einen Garten und wir (mein Ehemann und ich) benutzen kein Roundup und auch sehr selten Fungizide. Doch wir leben nicht vom Ertrag des Gartens – der ist reines Hobby. Bei uns verschwinden einfach die Pflanzen, die viele Schädlinge anlocken. Bei uns sprießt auch das Unkraut in den Fugen der Terrasse und des Gehwegs. Wir können sehr gut mit einem Verbot von Glyphosat für Privatanwender leben, weil wir eh seit über 10 Jahren Unkraut jäten statt es chemisch zu bekämpfen. Aber wir sind „Hobby-Gärtner“, keine Landwirte. Ein Landwirt hingegen muss von seiner Ernte leben. Vor 100 Jahren mussten die Bauernkinder (und andere) Frondienste auf den Feldern leisten: Unkraut jäten, Kartoffelkäfer entfernen etc. Vor 100 Jahren galt Deutschland noch als Agrarstaat. In der Landwirtschaft arbeiteten rund 38 Prozent aller Erwerbstätigen und erwirtschafteten so einen Anteil von knapp 30 Prozent an der gesamten Bruttowertschöpfung des Staates. Ein Landwirt erzeugte um 1900 mit seiner Arbeit aber nur Nahrungsmittel für etwa vier Menschen. 1950 konnte ein Bauer bereits zehn und nur weitere zehn Jahre später bereits 17 Menschen mit seiner Arbeit „satt machen“. In den darauffolgenden Jahren nahm die Produktivität in der Landwirtschaft immer weiter zu. 1980 konnte ein Landwirt bereits so viele Nahrungsmittel produzieren, dass er 47 Personen ernähren konnte. Bis zum Jahr 2000 stieg diese Zahl auf 127. Heute kann ein Landwirt rein rechnerisch sogar 155 Personen ernähren. Wenn ich bezahlbare Lebensmittel wünsche und dagegen bin, dass Hartz-IV Bezieher und andere Menschen, die Transfergelder beziehen, aus Feldern wie Sklaven Unkraut jäten oder Schädlinge einsammeln müssen, dann kann ich nicht gegen den Einsatz aller Pestizide, zu denen Herbizide wie Glyphosat, aber auch Fungizide wie Kupfersulfat zählen, sein. Dann kann ich höchstens verlangen, dass nach anderen Methoden geforscht wird und die Einsätze auf das aktuell Mindest-Notwendige beschränkt werden. Erfreulicherweise werden beide Forderungen umgesetzt. Es passiert sowohl viel in der Forschung als auch in der Kontrolle beim Pestizid-Einsatz in Deutschland (und hoffentlich auch in der EU, wenn auch weniger bei Importen). Sehr interessant finde ich persönlich auch die Aquaponik, von der mir mein Sohn berichtet hat. Aber solche Projekte funktionieren nur lokal per „Try&Error“, nicht mit Zentralplänen der EU, weil diese bewunderungswürdigenen Start-Up Unternehmen im Gegensatz zu Monsanto, Jade, Novamento und Belchim keine Wirtschaftslobby in nationalen Parlamenten oder Brüssel haben: Aquaponik, das ist die Kombination von Aquakultur und Hydroponik, der Pflanzenzucht im Wasser. Konkret kann das so aussehen wie bei der Berliner Firma Efficient City Farming, kurz ECF: unten ein Überseecontainer, in dem die Fische in Wassertanks schwimmen, darauf ein Gewächshaus, in dem das Gemüse in Hydrokultur gedeiht. Durch einen fast geschlossenen Wasserkreislauf sind beide Teile miteinander verbunden. Was die Fische ausscheiden, gelangt als Dünger zu den Tomaten im Stockwerk darüber. Die Pflanzen reinigen das Abwasser aus der Fischzucht, indem sie den Dünger aufnehmen, und so ist der Kreislauf hergestellt. NTV: Frischfisch vom Dach: Aquaponik macht die Stadt zur Farm Ich bin seit einigen Jahren mit diversen Bauern auf Facebook verknüpft, von Bauer Willi über Katrin Seeger, von Markus Höltkötter bis Brigitta Blume. Viele von ihnen sind aktiv bei „Wir machen uns satt“ und auch bei „Initiative Tierwohl“. Auch wenn – wie immer – einige manche Aktivitäten der anderen kritisieren, merke ich beim Thema Glyphosat eine ziemlich einstimmige Übereinstimmung: es ist einfach in der Anwendung, preiswert bei der Ausbringung und effektiv. Auch erlauben die Agrar-Subventionen der EU wenig Spielraum, was Artenvielfalt fördern würde oder veränderte Fruchtfolgen. Wenn wir einen Buhmann suchen wollen, ist das definitiv nicht der von Agrar-Bestimmungen abhängige Landwirt oder deren Verbände (wobei ich Argwohn habe, ob die französischen und italienischen Verbandsvorstände aktuell nicht doch „erkauft“ wurden). Wie immer finde ich anhand der Intrigen von Jade/Novamento/Belchim das alte Sprichwort „Follow the money“. Auch wenn aktuell des öfteren die NGOs (Avaaz, Campact, Greenpeace & Co) das Sagen haben, sind doch häufig über verschlungen Kreise die internationalen Machtspieler am Drücker. Die „Guten“ merken es nur nicht, dass sie missbraucht werden. Von daher bin ich dieses Mal mit dem PAN Aktivisten auf einer Linie: das Glyphosat-Verbot ist kein Verbot von Pestziden, sondern nur ein Verbot von Pestiziden, die aus US/DE-Herstellung (-Besitz) stammen, sofern der Deal zwischen Bayer und Monsanto Realität wird. Gesamten Artikel anzeigen
  9. Katja Triebel

    Bombendrohung auf Weihnachtsmarkt

    Am frühen Freitagnachmittag war in einer Apotheke in der Innenstadt von Potsdam ein verdächtiges Paket abgegeben worden. Die Polizei löste daraufhin Bombenalarm aus und sperrte Teile der Innenstadt, darunter auch einen großen Bereich des Weihnachtsmarktes. Die Deutsche Welle berichtete Obiges mit dieser Schlagzeile: Potsdamer Weihnachtsmarkt: Alles nur ein schlechter Scherz? Die Polizei in Potsdam hat Entwarnung gegeben. Das Paket, das einen Bombenalarm ausgelöst hatte, war offenbar weniger gefährlich als befürchtet. Es befanden sich sich diverse Gegenstände darin – aber kein Zünder. Diese Nachricht verbreitete sich weltweit sehr schnell, weil das Triggerwort „Weihnachtsmarkt“ Leser anzieht wie vor viele Jahren das Wort „Schule“ nach dem Amoklauf in Winnenden. Weltweite Verbreitung dieses Fake-Bombenalarms CNN, Wallstreet Journal, Washington Post, BBC, Pakistan Today, Indian Express, Politico, EU-Observer, Daily Mail und viele andere Medien greifen den Alarm auf. Screenshot – Google News Suche „Potsdam bomb“Amok-Drohungen Die anderen Drohungen, die in den letzten zwei Wochen in Deutschland erfolgten, wurden nicht weltweit verbreitet 22.11.17 – Falscher Amok-Alarm in Duisburg Ein Großaufgebot der Polizei hat wegen eines Amok-Alarms eine Schule in Duisburg geräumt und nach einem mit Pistolen bewaffneten Mann gesucht. Nach gut dreieinhalb Stunden konnte die Polizei Entwarnung geben. Eine Schülerin hatte den Großeinsatz am Gertrud-Bäumer-Berufskolleg ausgelöst, weil sie einen Mann mit Pistolen auf dem Schulgelände gesehen haben wollte. 24.11.2017 – Amok-Alarm an der Universität Trier! Donnerstagabend um 22.19 Uhr versendete ein Unbekannter über das Portal „Jodel“ eine Drohung: Er wolle Freitag eine Vorlesung stürmen und töten. Der Tatverdächtige sei am Morgen von Spezialeinsatzkräften in seiner Wohnung in Trier gestellt worden. Bei der Wohnungsdurchsuchung stellten Spezialeinsatzkräfte zwar umfangreiches Beweismaterial sicher, eine Waffe fanden sie jedoch nicht. Um jedes Restrisiko auszuschließen, sperrte die Polizei das Audimax-Gebäude und die Mensa vorsorglich. Am Nachmittag dann konnten die Ermittler Entwarnung geben. 28.11.17 – Amok-Warnungen in Baden-Württemberg Zwei Mails lösen am Dienstag ziemlich zeitgleich gegen 8 Uhr in Offenburg (Ortenaukreis) und Schramberg (Kreis Rottweil) einen Amokalarm an Schulen aus. Eine weitere Droh-Mail ist gegen 7.30 Uhr an der Nachtpforte des Zentrums für Psychiatrie in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) eingegangen. Eine vierte Droh-Mail geht am Morgen zudem an einer Schule im hessischen Bad Neuheim ein und löst ebenfalls einen Polizeieinsatz aus. Auch dort gibt es keine ernsthafte Bedrohung. Unterschiedliche Reaktionen der Polizei und Schulen Offenburg: Mit »einigen Streifenkräften mit entsprechender Ausrüstung« sei die Schule durchsucht worden. Bereits um 10.44 Uhr gibt die Polizei nach einer Überprüfung des Mail-Inhalts und Ermittlungen der Kriminalpolizei wieder Entwarnung. Schramberg: Dort stehen gegen 8.30 Uhr knapp 30 ausgerüstete Beamte bereit, um die Schule nach einem möglichen Täter oder abgelegten Gegenständen durchsuchen zu können. Die Einsatzführung im Präsidium Tuttlingen entscheidet sich indes dafür, ein Sondereinsatzkommando (SEK) einfliegen zu lassen. Für die eingeschlossenen Schüler zehrt die Wartezeit auf das SEK (Anm. zwei Stunden) an den Nerven. Gerüchte machen sich breit, es könnte eine Bombe geben. Die Kinder werden gegen 12:00 mit Bussen evakuiert und können erst gegen 13:00 (nach fast fünf Stunden) von den besorgten Eltern in Empfang genommen werden. Allein in Schramberg waren mehr als 100 Polizisten, darunter viele mit schwerer Ausrüstung, im Einsatz. Winnenden: Mehrere Streifenwagen rückten gegen 7.30 Uhr zu dem psychiatrischen Krankenhaus aus und suchten die Gebäude nach verdächtigen Gegenständen ab. Gegen 11.30 Uhr hat die Polizei ihre Durchsuchung abgeschlossen. „Es wurde kein verdächtiger Gegenstand gefunden“, so ein Sprecher. (Anm. anscheinend ohne Evakuierung) Bad Nauheim: An der Schule (Anm. Offenbach) konnte der Unterricht aber ebenso stattfinden wie im hessischen Bad Nauheim. In beiden Städten überwachten aber zivile und uniformierte Polizisten bis zum späten Vormittag vor Ort die Lage. Schramberg: Kritik an Evakuierung Zu Recht wird das Vorgehen in Schramberg kritisiert: Kritik jedoch übt (Schulleiter) Dennig an der anschließend abgelaufenen Evakuierung der Schule. Diese war seiner Ansicht nach völlig unnötig. Zwei IT-Experten der Polizei hätten nach einer Überprüfung Entwarnung gegeben und „keine akute Gefahrenlage“ mehr erkannt. Und auch das Spezialeinsatzkommando sei nach einer Durchsuchung der Schule, bei der nichts gefunden wurde, wieder abgezogen. Wieso dann irgendjemand die Räumung der Schule angeordnet habe, ist für Dennig völlig unverständlich. „Die Evakuierung war in keiner Weise gerechtfertigt“, sagt er. Aber, so bedauert der Dennig, „viel von dem, was passiert ist, ist mit der Schulleitung nicht abgesprochen worden – „und wir wurden auch nicht informiert“. Nicht umsonst hatte sich so auch bei der Evakuierung einer der Einsatzkräfte darüber aufgeregt, „dass acht verschiedene Befehle“ gegeben würden und man „nicht mehr weiß, was zu tun ist“. Schwarzwälder Bote: Nach Amok-Alarm: Kritik an Evakuierung Merkwürdige Begründung Das Vorgehen in Scharmberg, das für Eltern und Schüler traumatisch war, wurde vom Polizeipräsidenten Gerhard Regele wie folgt begründet: Hätte es eine echte Amoklage gegeben, dann wären die 30 Beamten vor Ort sofort in die Schule gegangen. Weil aber in der Schule alles ruhig war und es keinen erkennbaren Täter in der Schule gab, habe der Polizeiführer entschieden, das Spezialeinsatzkommando (SEK) zu holen. „Für die Sicherheit der Kinder und Lehrer nahmen wir die Verzögerung in Kauf.“ Südkurier: Amok-Einsatz läuft nicht nach Schema F Verstehe ich das richtig? Weil keine ernst zu nehmende Gefahr bestand, wurden 100 statt 30 Beamte eingesetzt, gab es eine Nachrichtensperre und eine Evakuierung? Reaktion der Polizei führt zu „Fake-News“ Wie die Reaktion der Polizei die Medien beeinflusst, sieht man an dieser Meldung. In Schramberg war die Lage am dramatischsten In Schramberg scheint die Lage am dramatischsten gewesen zu sein. Dort waren laut einem Polizeisprecher mehr als hundert Beamte im Einsatz, darunter Spezialeinsatzkräfte und ein Hubschrauber. Stuttgarter Nachrichten Obwohl der Polizeidirektor betonte, dass es keine echte Amoklage gab, führt der Einsatz von SEK und Hubschrauber und die Evakuierung der Schüler dazu, dass die Medien davon ausgehen, dass diese Bedrohung die dramatischste war. Gut gemeint – aber schlecht gemacht! Ich gehe davon aus, dass es in den nächsten vier Wochen zu weiteren Bedrohungslagen auf Weihnachtsmärkten kommen wird – und die meisten, wenn nicht gar alle, davon sich als „Fake“ erweisen. Ich gehe auch davon aus, dass seltener Evakuierungen angeordnet werden und die Nachrichten kein Welt-Nachricht-Niveau erreichen werden. Es ist richtig, dass in Potsdam das Paket von Spezialkräften entschärft wurde. Die darauf folgende stundenlange Sperrung für Anwohner und Markstandsbetreiber sollte jedoch noch einmal überprüft werden. Anhand von Offenburg:Schramberg sieht man sehr gut, wie die Reaktion der Polizei zur Entwarnung oder zum Angstmachen beiträgt. Auch in Potsdam wurde Angst verbreitet. 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  10. Katja Triebel

    Unstatistik: Volk von Zahlenblinden

    Ich bin ein Fan von der „Unstatistik des Monats“ und hinterfrage bei jeder statistischen Zahl die Grundmenge. Sehr oft werden Zahlen und Wahrscheinlichkeiten falsch interpretiert, um Ängste zu verbreiten – weil sich Angst als Nachricht gut verkaufen lässt bei uns in Deutschland. So könnten viele nicht zwischen absolutem und relativem Risiko unterscheiden. Als eine Behörde der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor zwei Jahren verbreitet hatte, dass das Darmkrebs-Risiko je 50 Gramm verzehrtem, verarbeitetem Fleisch am Tag um 18 Prozent steige, sei die Sorge groß gewesen. Absolut sei die Gefahr einer Krebserkrankung aber nur von fünf auf 5,9 Prozent gestiegen, verdeutlicht Gigerenzer. „Das ist ein Machtinstrument: Man erregt Ängste und Aufmerksamkeit. NTV – Volk von Zahlenblinden vom 27.11.2017 Auch sollte man bei Umfragen nicht nur auf das Ergebnis, sondern auf die Fragestellung achten! Ein schönes Beispiel ist hierfür die WWF Umfrage zum Klimaschutz: Dieses Mal liegt der Missstand nicht in der Interpretation, sondern in der Art der Fragestellung. Die Antworten waren in die Fragen quasi eingebaut..In der Umfrageforschung unterscheidet man zwischen ergebnisorientierter und erkenntnisorientierter Demoskopie. Die YouGov–Umfrage (vom WWF) steht für ersteres. http://www.rwi-essen.de/unstatistik/59/ Der WWF fragte: „Die Stromproduktion aus Kohle allein ist die größte Einzelquelle für die deutschen Treibhausgasemissionen. Was sollte Ihrer Meinung nach mit den Kohlekraftwerken passieren?“ Ich hätte wie folgt gefragt: „Über 330.000 Haushalten wurde 2016 der Strom gesperrt, weil sie die Rechnungen nicht zahlen konnten. Mehr als 6,2 Millionen mal wurden Stromsperrungen angedroht. Um ein Blackout zu verhindern, wurde 2015 1 Milliarde Euro ausgegeben – das Dreifache vom Vorjahr. Sind Sie für einen schnellen Ausstieg aus der Kohlekraft – auch wenn die Stromkosten dadurch noch stärker steigen als bisher?“ Hätte ebenfalls 67% der Bürger dem Ausstieg bei meiner Einleitung zugestimmt? Ich bezweifle das stark. Auf Professor Gigerenzer, dem Leiter des Berliner Harding Zentrums für Risikokompetenz, war ich bereits 2011 aufmerksam geworden. Er wurde 2010 wie folgt zitiert: „Jeder Tote ist ein Toter zu viel – dieses Argument fruchtet nur bei Menschen, die keine Risikokompetenz haben“, sagt Gigerenzer, der auch Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung ist. In der Stärkung dieser individuellen „Risikomündigkeit“ sieht er die Lösung für das gesellschaftliche Problem: „Schon in der ersten Schulklasse sollte man Kindern auf spielerische Weise ein Gefühl für Wahrscheinlichkeiten und Risiken vermitteln.“ Bild der Wissenschaft 11/2010, Seite 98 Ähnlich sieht es auch Reiner Wittkowski, Vizepräsident des Bundesinstituts für Risikobewertung: Daher sollte es auch zulässig sein, die Zahlen von möglichen Toten, Verletzten oder Kranken mit dem finanziellen Aufwand in Beziehung zu setzen, mit dem sie verhindert werden können. „Das kann sich allerdings in der Risikokommunikation und der politischen Umsetzung verheerend auswirken“, weiß Reiner Wittkowski, Vizepräsident des Bundesinstituts für Risikobewertung. „Solche Überlegungen werden meist als zynisch empfunden, weil jeder meint, er habe einen vollumfänglichen Risikoschutz.“ Trotzdem hält Wittkowski es angesichts begrenzter Finanzmittel für vernünftig, zu fragen, ob der Aufwand einer Vorsorgemaßnahme im angemessenen Verhältnis zu ihrem Nutzen steht. Bild der Wissenschaft 11/2010, Seite 98 Mein allererster Blogartikel (2012) behandelt die Risikokompetenz: „Erfolge“ der Hysterie: Tod, Verschwendung und Entzug von Bürgerrechten Oder was haben BSE, SARS, EHEC, Waldsterben, Atomkraft, Amokläufe und Terrorismus gemein? Meine Erlebnisse in Brüssel und Berlin in Bezug auf die EU Feuerwaffenrichtlinie und das deutsche Waffengesetz haben gezeigt, dass Politiker entweder nicht in der Lage sind, Risiken kompetent zu bewerten oder einfach kein Interesse daran haben, weil eine vernünftige Vorsorge als zynisch empfunden wird. Sie fürchten den Aufschrei der Medien mehr als leere Staatskassen und Neuverschuldungen. Auch geben sie die Rechte von Minderheiten schnell auf, wenn diese Einschränkung bei den Medien als Problemlösung positiv beurteilt wird. Zu diesen Minderheiten, deren Rechte nicht mehr geschützt und verteidigt werden, zählen mittlerweile immer mehr Bürger und Bürgerinnen: Jäger, Sportschützen, Landwirte, Selbstständige, Waldbesitzer, Imker, Zirkusse, Angler u.a.. Das ist aber kein Wunder, da immer weniger Politiker zu diesen Minderheiten gehören und mit Avaaz, Campact & Co. immer häufiger die Rechte dieser Minderheiten als schädlich für die Gemeinschaft bewertet werden. Gesamten Artikel anzeigen
  11. Der Spiegel schrieb gestern: Rund drei Millionen US-Bürger tragen laut einer neuen Studie täglich eine geladene Schusswaffe bei sich. Neun Millionen US-Bürger gehen mindestens einmal im Monat bewaffnet aus dem Haus, wie sich aus einer Studie des „American Journal of Public Health“ ergibt. Wenn die Strafverfolgungsbehörden in den einzelnen Bundesstaaten die Möglichkeit hätten, fragwürdigen Antragstellern die Erlaubnis zum Waffentragen zu verwehren, sinke auch die Mordrate, schreibt der „Standard“. Die Raten fallen demnach je nach Gesetzeslage um 6,5 beziehungsweise 8,6 Prozent niedriger aus. Spiegel vom 20.10.2017 Woher „Standard“ und Spiegel jetzt ihre Weisheit herhaben, erschließt sich in dem Artikel nicht. Es werden einfach zwei Grafiken mit Todesfällen und der legale Besitz von Schusswaffen gezeigt. Das war’s! Lizenz zum Waffentragen Keine Beachtung wird der Tatsache geschenkt, dass US-Bürger mit einer Lizenz zum Waffentragen (Waffenschein) rechtstreuer sind als Polizisten und auch als der Bevölkerungsdurchschnitt. Auch werden Schusswaffen von Leuten mit Waffenschein fast nie missbraucht und es kam auch kein Lizenzinhaber wegen Mord/Totschlag mit der Waffe bisher ins Gefängnis. Auch in den USA werden Tragelizenzen widerrufen, wenn sich jemand gewalttätig verhält. Die Angst, die hier vom Spiegel geschürt wurde, ist somit unbegründet. Es kommt in den USA jedoch laufend zu „Papercrime“, wenn Menschen mit Tragelizenz zufällig die Staatsgrenze passieren und dann „illegal“ ihre Waffe dort führen. Solch Grenzüberschreitungen kommen häufig vor, da etliche Straßen einfach zwischen zwei Staaten hin- und herpendeln. Aus diesem Grund möchte die NRA, dass Tragelizenzen – analog zum Führerschein – in allen Staaten anerkannt werden sollen. Verhältnis Waffenbesitz zu Gewaltdelikten Dr. Christian Westphal hatte die Daten aus den USA auf Landkreisebene untersucht. Dabei konnte er keinen Zusammenhang zwischen „Waffenbesitz pro Kopf“ und „Gewaltdelikte pro Kopf“ finden. Damit war die – von Medien und Waffenkontrollaktivisten oft zitierte – Studie „The social costs of gun ownership“ von Philip Cook (Duke University) und Jens Ludwig (University of Chicago) widerlegt. Die Autoren – wie auch die meisten Journalisten – sind in die Falle der „Scheinkorrelation“ getappt. Im Interview mit dem DJV erklärte Westphal dieses Phänomen: Ein prominentes Beispiel hierfür ist „Störche bringen Babys“: Es lässt sich tatsächlich eine deutliche positive Korrelation zwischen „Störche je Einwohner“ und „Babys je Einwohner“ finden. Störche und Babys haben natürlich nichts miteinander zu tun; der Zusammenhang wird lediglich und rein technisch durch den „je Einwohner“-Teil in der Variablen erzeugt. Sie können so auch Weihnachtsbäume pro Einwohner und Feldhasen pro Einwohner korrelieren. Dann ist es – überspitzt ausgedrückt – für einige nur noch ein kleiner Schritt zu behaupten, dass Feldhasen Weihnachtsbäume schmücken. Meine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Schusswaffen und Gewaltkriminalität in den USA zeigt, dass sich nicht mal dort, bei wesentlich mehr Waffenbesitzern und mehr Gewaltkriminalität, ein auf Landkreisebene messbarer Zusammenhang zwischen beidem finden lässt. Statistik mit Stolpersteinen – Westphal im Inverview mit dem DJV Wer das nicht glauben will, der möge sich diese Grafik mal anschauen, die in den USA Waffenbesitz und Mordrate vergleicht: Verhältnis Mordrate zu restriktiven Waffengesetzen Die Brady Kampagne listet seit Jahren die verschiedenen US-Staaten in Bezug auf ihr Waffenrecht. Der sogenannte „Brady Score“ ist umso höher, je restriktiver ein US-Staat sein Gesetz verfasst hat. Hätten Spiegel, Standard & Co. mit ihrer Annahme Recht, dann gäbe es in US-Staaten mit hohem Brady Score (rechts) die wenigsten Schusswaffentoten und in US-Staaten mit niedrigem Brady Score (links) die meisten. Wie man sieht, gibt es keine Korrelation. Die Seite zeigt auch noch die Verhältnisse für Selbstmorde und Massenschießereien auf. Priorities for Research to Reduce the Threat of Firearm-Related Violence. Washington, DC: The National Academies PressWer es noch amtlicher haben möchte, der möge sich den Meta-Studienbericht von 2013 durchlesen, den Obama nach Sandy Hook in Auftrag gab. Eine Zusammenfassung davon gibt es hier: Obama Study Concluded Firearms Used for Self-Defense ‘Important Crime Deterrent’. Ganz kurz ist es wie folgt zusammengefasst: Der Einsatz von Schusswaffen ist die sicherste unter den untersuchten „Selbstschutzstrategien“ Die meisten Todesfälle mit Schusswaffen sind Selbstmorde Verbrecher besitzen selten gestohlene (vormals legale) Schusswaffen. Es gibt keinen Beweis dafür, dass Waffenbeschränkungen Waffengewalt reduzieren. Fazit Leider ist es so, dass einfache „Lösungen“ verlangt werden, die wenig Widerstand erwarten. Dabei ist es völlig egal, ob diese „Lösungen“ den gewünschten Effekt bringen oder nicht. Hauptsache, es lässt sich gut verkaufen. Waffenverbote sind relativ einfach umsetzbar und betreffen nicht die Mehrheit der Bürger. Selbst in den USA besitzen „nur“ 30% der Haushalte Waffen. In Europa sind es sicherlich nur 5 bis 10%. Die Menge der Artikel in den Medien, die eine Scheinkorrelation zwischen Waffenbesitz und Gewalt suggerieren, läßt mich ahnen, wie die Politik die EU-Waffenrichtlinie demnächst umsetzen will: äußerst restriktiv. Gesamten Artikel anzeigen
  12. Waffen - Waffenbesitzer - Waffenrecht 2 Stunden, die sich lohnen Ursprünglichen Post anzeigen Gesamten Artikel anzeigen
  13. Katja Triebel

    GRA: 50% Rabatt im Shop

    Hallo, sorry, dass ich mich so selten melde, aber Rainer H. leitet ja sicherlich alles Wichtige weiter. In eigener Sache (ich bin da jetzt doch Vereinsvorstand geworden): Offizielle Mitteilung und 50% Rabatt-Aktion https://german-rifle-association.de/schnaeppchenjaeger-50-rabatt-im-shop/ 1. Unser altes Logo ähnelt der seit 31.08.17 geschützten Trademark der NRA zu stark 2. Wir können noch für kurze Zeit die Bestände mit altem Logo verkaufen 3. Niemand verletzt Schutzrechte, der privat das alte Logo besitzt, trägt oder sich damit fotografieren lässt. 4. Das aktuelle Logo ist nur vorübergehend. Wer also noch Schnäppchen haben will (vielleicht bekommen die alten Logo sogar mal Sammlerwert), der sollte jetzt zuschlagen. Da sind auch echt nützliche Dinge dabei, wie Waffenöl, Unterlage und Flash Lights. Liebe Grüße Katja Triebel
  14. Katja Triebel

    Silber Medaille und 2 x Weltmeister

    Bei der 18. Weltmeisterschaft IPSC World Shoot XVIII kam das Team „Revolver Overall Germany“ mit Sascha Back auf den zweiten Platz. Bei der Weltmeisterschaft PPC 1500 holte sich unsere Schießleistungsgruppe SLG T’n T Berlin gleich zwei Weltmeistertitel. Wir gratulieren unseren gesponserten Teams ganz herzlich zu den erstklassigen Erfolgen und bedanken uns bei Sascha und dem BDS für die Danksagung. BDS Präsident Friedrich Gepperth schrieb: Liebe Katja, im Namen des Bundes Deutscher Sportschützen 1975 e.V. bedanke ich mich ganz herzlich für das Teamsponsoring unserer Schützen in Revolver Overall bei der diesjährigen IPSC Weltmeisterschaft in Châteauroux, Frankreich! Ohne Eure freundliche Unterstützung wäre die Wettkampfteilnahme unserer Schützen nicht oder zumindest nicht in dem dagewesenen Umfang möglich gewesen. Daher ist es mir ein Anliegen, Dir als Anerkennung des BDS das anliegende Andenken zu übersenden und hoffe, Dir damit eine kleine Freude zu machen. Mit freundlichen Grüßen Friedrich Gepperth Präsident Der Brief und das Andenken haben mir tatsächlich sehr viel Freude gemacht und wir haben beides gleich im Laden aufgehängt. Hurra, wir sind zweimal Weltmeister! Wir gratulieren den Siegern und freuen uns so richtig doll, das unsere SLG so erfolgreich war. Beide Siege waren denkbar knapp, daher geht ein ganz besonderer Dank an Ralf, der zusammen mit Roman Hauber auch beide World Team Matches für Deutschland gewann und zweimal in der Einzelwertung auf dem ersten Platz landete. Ralf, du bist der BESTE – und hast ein tolles Team hier in Berlin. SLG T’n T Berlin 1 mit Andreas Geikowski und Ralf Vanicek ist Weltmeister im Team Revolver 1500 SLG T’n T Berlin 1 mit Frank Kemm und Ralf Vanicek ist Weltmeister im Team Pistole 1500 PPC 1500 World Championship 2017: Resultate findet man hier Für alle Unwissenden: T’n T bedeutet „Triebel ’n Tuning“ und wurde von Kristian Triebel in den 90er Jahren ins Leben gerufen. Eure Katja Triebel Gesamten Artikel anzeigen
  15. Wie bereits all4shooters hier berichtet hat, gibt es einen Sicherheitshinweis für das Präzisionsgewehr Precision Rifle II mit Schlossabdeckung in Aluminium. Die Generation I mit einer Schlossabdeckung aus Kunststoff ist nicht betroffen. Es handelt sich nicht um einen Rückruf. RUGER geht davon aus, dass dieser Effekt nur bei wenigen Waffen auftritt. Wenn Sie mit Ihrer Waffe bereits problemlos 100 Schuss gemacht haben, ist davon auszugehen, dass dieses Problem nicht vorhanden ist. RUGER bietet trotzdem an, kostenlos eine neue Schlossabdeckung nachzuliefern. Unsere Kunden sollten daher wie folgt verfahren: Bei der Schlossabdeckung aus Aluminium kann es in einzelnen, wenigen Fällen vorkommen, dass sich beim Betätigen des Abzuges kein Schuss auslöst. In diesen extrem seltenen Fällen blockieren sich das Spannstück am Verschluss und die hintere Schlossabdeckung. Dadurch erfolgt keine Schussabgabe. Bei diesen Versagern kann es dann auch passieren, dass sich beim Öffnen der Waffe die Verklemmung auflöst, der Schlagbolzen freigegeben und ein Schuss ausgelöst wird. Bitte rufen Sie den folgenden Link auf der RUGER Seite auf: www.ruger.com/dataProcess/rprSafety/ Hier müssen Sie zuerst Ihre Waffennummer eingeben. Das System überprüft, ob Ihre Waffe überhaupt von dem möglichen Problem betroffen ist. Wenn ja, werden Sie aufgefordert, Ihren Namen und Ihre Adresse einzugeben. Wir erhalten dann über unseren Importeur AKAH im Namen von RUGER kostenlos die neue Abdeckung. Es empfiehlt sich, uns per Email zu informieren, dass Sie auf die neue Abdeckung warten. Wir können im Augenblick noch nicht mit Sicherheit sagen, wann dies erfolgt. Vermutlich wird dies erst im Oktober oder November möglich sein. Gesamten Artikel anzeigen
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