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Vorwürfe an Amerikas Waffenindustrie


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Neue Zürcher Zeitung, Ressort Vermischte Meldungen, 6. Februar 2003, Nr.30, Seite 48

Illegale Geschäfte mit Kriminellen

cpi. Los Angeles, 5. Februar

Nach Aussage eines ehemaligen Geschäftsführers der amerikanischen Waffenindustrie verkaufen korrupte Händler mit Wissen der Hersteller Waffen an Kriminelle. Robert A. Ricker ist der erste offizielle Vertreter der amerikanischen Waffenindustrie, der deren Geschäftspraktiken öffentlich anprangert. Seine Vorwürfe wurden in der «New York Times» veröffentlicht. Die Anschuldigungen werden die Klagen von 12 kalifornischen Städten und Landbezirken gegen Waffenhersteller und -händler untermauern. Die Kläger, unter ihnen Los Angeles, Sacramento und San Francisco, machen geltend, dass durch ein illegales Vertriebssystem zahllose Waffen in die Hände von Kriminellen und Jugendlichen gelangten. Sie werfen der Waffenindustrie vor, für einen öffentlichen Missstand verantwortlich zu sein und das kalifornische Gesetz gegen unfaire Geschäftspraktiken zu verletzen.

Ricker ist ein ehemaliger Lobbyist und Geschäftsführer des American Shooting Sports Council, der ehemals grössten Handelsorganisation der Waffenindustrie. Er verlor 1999 seinen Posten, nachdem er an einem Treffen mit Präsident Clinton im Weissen Haus teilgenommen hatte, bei dem Vorschläge zur Verhinderung von Schiessereien an amerikanischen Schulen diskutiert wurden. Die National Rifle Association, die Amerikas Waffenbesitzer vertritt, hatte das Treffen abgelehnt. Nach Aussage von Ricker hat die einflussreiche Organisation danach die Auflösung des American Shooting Sports Council veranlasst. Dessen Funktion sei von der konservativeren National Shooting Sports Foundation übernommen worden.

Die Waffenindustrie weist die Vorwürfe des Informanten zurück. Sie beteuert, dass sie nicht wisse, was mit Waffen geschehe, nachdem sie die Fabriken verlassen hätten. Ricker dagegen behauptet, dass ein Netzwerk von Waffenherstellern mit Händlern in Verbindung stehe, die an Kriminelle Waffen verkauften. Die Waffenindustrie wisse von den Schwarzmarktgeschäften, schliesse jedoch die Augen und verordne Stillschweigen. Freiwillige Massnahmen zu einer besseren Kontrolle des Waffenvertriebes seien zwar auf Jahresversammlungen diskutiert worden. Aber sie seien nicht verabschiedet worden, weil die Waffenindustrie befürchte, dass sie als Schuldeingeständnis interpretiert werden könnten.

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